Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 9)

Vergleicht man die Leistung und Richtung der Schulen mit der

gewerblichen Thätigkeit arn betreffenden Orte und in dessen Umgebung,

so kommt die fortschreitende Einwirkung der Lehre auf die Praxis, wie

gesagt, in erfreulicher Weise zur Anschauung. Nicht überall scheinen

sich die Gewerbetreibenden allerdings dieses Einflusses bewusst zu sein,

nicht überall denselben, wo sie ihn erkennen, als Förderung zu empfinden.

 Es ist hier nicht der Ort, darauf einzugehen, worin die Ursache

liegen mag, dass die Gewerbetreibenden Tirols, und wohl auch anderswo,

 die Schule vielfach eher als eine unbequeme Concurrenz denn

als Schützerin der gewerblichen Interessen betrachten. Große Vorsicht thnt

jedenfalls noth; sollen die Schulen ihre Aufgabe ganz erfüllen, so muss

dort, wo dies etwa nicht der Fall sein sollte, von ihnen auch der Schein,

als machten sie den Gewerben Concurrenz, ferne gehalten werden. Auch

müssen die Lehrkräfte überall direct mit dem Volke Fühlung zu erhalten

suchen; es scheinen auch an manchen Orten zu viele Lehrer und nicht

alle auf dem richtigen Platze zu sein. Vielleicht geschieht ferner an dem

einen Orte, wie etwa in Cortina durch die Silberhligranschule, zu viel,

da der Bedarf des Landes durch die vorhandenen Meister dort und in

Schwaz hinreichend gedeckt wird, während das Stubaithal dringend einer

Fachschule für Metallindustrie bedürfte, soll das einst blühende und heute

noch lebensfähige Schlossergewerbe daselbst aus Mangel an Schulung von

Hilfskräften nicht zu Grunde gehen. Das Fachschulwesen ist eben noch

jung, seine Organisation noch nicht abgeschlossen; dass aber ohne die

bestehenden Fachschulen die Tiroler Ausstellung unmöglich gewesen wäre,

unterliegt keinem Zweifel.

Vor Allem die tirolische Holzindustrie erscheint auf der Ausstellung

quantitativ (durch mehr als 130 Aussteller) und auch qualitativ am

stärksten vertreten. Dass unter den Kunsttischlern die Gebrüder Colli

die höchste Anerkennung verdienen, dürfte unbestritten sein. Sie sind in

allen Sätteln gerecht, als Kunsttischler, Schnitzer, wie als Bautischler,

denn auch ein ganzes Schweizerhaus von reizender Art haben sie ausgestellt.

 In Intarsia leisten die Colli heute das Beste in ganz Tirol und

sie beherrschen alle Stilgattungen wie die ersten Kunsttischler Wiens. Das

Zimmer in englischer Gothik, die eingelegten Möbel und eine große Uhr

sind vor Allem zu nennen; die Preise sind sehr mäßig, die englischgothische

 Zimmereinrichtung (Alles in Allem 700-800 H.) wurde bis

Mitte August bereits sieben Mal verkauft. Der Leiter des Etablissements,

welches 70 Arbeiter beschäftigt, der älteste mehrerer gemeinsam arbeitender

 Brüder, ist zugleich Werkmeister an der Staatsgewerbeschule;

das ist eine höchst beachtenswerthe Erscheinung, die zur Nachahmung

auffordert. Die Leistungen seiner Schulabtheilung sind denn auch vorzüglich;

 es wird nichts gelehrt, was nicht auch nach allen Regeln der

Kunst und des praktischen Bedürfnisses ausgeführt werden kann. Wie

er die Intarsia versteht und beherrscht, zeigen vor Allem auch seine im

28'
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.