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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 2)

ZÖ

Wir haben hier einen deutlichen Hinweis auf die Thatsache vor

uns, dass zu Anfang des 14. Jahrhunderts mehrere und wesentlich verschiedene

 decorative Richtungen nebeneinander gepflegt werden, aus

deren Verschmelzung erst der volle Reichthum der Renaissance-Ornamentik

 resultirt. Es dauert aber noch eine Weile, bis eine solche Vereinigung

 verschiedener Elemente stattfindet, und wir werden sehen, wie

sie zuerst ganz äußerlich sich vollzieht und erst nach und nach ein

neuer Organismus daraus hervorgeht. Wie auf den übrigen Kunstgebieten

 gehen auch hier Gothik, Naturalismus und Antike eine zeitlang

noch nebeneinander, nur lassen sich die Fäden schwer entwirren, denn

eine künstlerisch so lebhaft bewegte, leidenschaftlich vorwärts strebende

Zeit wie diese spottet jeder schematischen Entwickelung, um so mehr,

als jeder einzelne Künstler nach Kräften an dem gesammten Kunstleben

theilnimmt und von gar mannigfachen und verschiedenartigen Seiten seine

Anregungen empfängt.

Einer der frühesten und entschiedeusten Naturalisten der Renaissance,

 Donatello, kommt für unsere Frage wenig in Betracht. Wo eine

rein decorative Aufgabe an ihn herantritt, sucht er billigen Kaufes loszukommen.

 Seine Naturliebe und sein Naturstudium hat sich andere Ziele

gesteckt; für ihn verlieren neben der Wiedergabe der menschlichen Erscheinung

 alle anderen Aufgaben an Interesse und Bedeutung. An jenen

Orten, wo er gemeinsam mit Brunellesco arbeitete, wie z. B. in der

Sacristei von S. Lorenzo, ist sein Verdienst an den decorativen Arbeiten

schwer festzustellen. Aber am Grabmal des Papstes Johann XXIll. im

Baptisterium zu Florenz, das er gemeinsam mit Michelozzo ausführte,

bei der berühmten Verkündigung in S. Croce, auf den Kinderreliefs in

Padua u. s. w. sehen wir, wie er sich mit der Wiederholung der gangbarsten

 antiken Motive begnügt. In seiner interessantesten decorativen

Composition, dem Bronzecapitäl der Kanzel von Prato, einer Arbeit. die

um 1428 entstand, zeigt er sich wohl als Meister der freien Erfindung,

gewinnt aber nicht jenen Linienfluss und klaren Organismus, den spätere

Künstler in solchen Compositionen erreichen.

Anders Donatellds Freund und Studiengenosse Brunellesco. Er

ist vielleicht der erste, deines gelingt, antike und modern-naturalistische

Elemente in Eins zu verschmelzen. Hier finden wir weise Berechnung

mit feiner Empfindung gepaart. An Stelle einer schier zügellosen Phantasie

 der Spätgothiker das vornehme Maßhalten der Antike. Nur in bescheidener

 Weise gestattet er dem frischen Naturalismus, ein Wörtchen

mitzureden, aber ebenso entschieden hütet er sich vor trockener Wiedergabe

 antiker Motive. Wie Keiner vor ihm weiß er die Formen von innen

heraus zu beleben, ein deutlicher Hinweis, wie wenig ihm das Naturstudium

 auf diesem Gebiete fremd war. Dabei beherrscht seine Decorationsweise

 ein seltener Adel, eine Vornehmheit, welche der Vermischung

mit fremdartigen Elementen entschiedene Vorsicht entgegenbringt. So an
            
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