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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 2)

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seinem Sohne vollendet wurde. Eine weitere Erhöhung des Etfectes, die

hier angestrebt wurde, konnte nicht mehr im Geiste der bisherigen Decorationsweise

 erreicht werden.

Der Naturalismus im Detail wird noch mehr gesteigert. Blumen

und Blätter ragen frei aus dem Grunde heraus und werfen tiefe Schatten.

Die beiden Vasen, aus welchen der Pflanzenwuchs sich erhebt, werden

von einer männlichen und einer weiblichen Gestalt emporgehalten. Der

grüne, blühende Schmuck besteht aber nicht aus Pflanzenbüscheln, sondern

 Kränze, aus je zwei gegen einander geneigten Zweigen gebildet,

sind hier an Stäben festgebunden. lru freien Rund dieser Kränze erweitern

 sich die Stäbe zum Knauf oder treiben phantastische Blumen,

auf welchen Vögel sitzen u. dgl. Von einem Kranz zum andern bildet

ein stilisirtes Blatt der Fächerpalme den Uebergang und bringt in seiner

rhythmischen Wiederkehr nicht allein wohlthuende Ordnung in die allzu

bewegten Formen, sondern erinnert auch an das Streben, naturalistische

und antike Ziermotive in Eins zu verschmelzen.

Wir sehen an den Thiirpfosten des Baptisteriums die naturalistische

Richtung schon um die Mitte des Jahrhunderts an den Grenzen maßvoller

 Schönheit angelangt. War sie aber durch die beiden Ghiberti

rasch emporgeblliht, so wuchs sie durch die Werke der Della Robbia in

die Breite. Während der ganzen zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts

bis in die ersten Decennien des t6. verließen zahlreiche Lunetten, Medaillons

 und sonstige Reliefdarstellungen die Werkstatt Luca's und seiner

Nachfolger, die mit den prächtigsten Frucht- und Blumenkränzen geschmückt

 waren.

Auch bei den Arbeiten der Della Robbia ist ein Fortschritt von

einer gebundeneren, stilistische Anklänge aufweisenden Composition zu

größerer Willkür und Freiheit zu bemerken. Eines der älteren Werke

Luca's ist das Medaillon mit dem Florentiner Stadtwappen an der Facade

von Or San Micbele. Der schöne Fruchtkranz, welcher dasselbe umgibt,

ist weitaus nicht so üppig wie spätere ähnliche Umrahmungen. Auch die

Zahl der Pflanzenspecies ist eine geringere: Büschel von Pinienzapfen,

Granatäpfeln, Citronen, Trauben und gewöhnlichen Aepfeln wiederholen

sich mehrmals, Früchte und Blätter sind regelmäßig zu zweien und

dreien angeordnet, und die einzelnen Büschel mit Bändern sorgfältig festgebunden.

 Es ist die solide, etwas umständliche Art einer im Jugendalter

stehenden Kunstrichtung.

(Fortsetzung folgt.)
            
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