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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 3)

Anklingen an ägyptische Art enthalten jene Nachrichten über Kunst und

Kunstgewerbe beim israelitischen Volke, wie sie uns in ca. io Capiteln

des Buches Exodus überliefert werden. Diese Stellen der heiligen Schrift

sind von großem Interesse für die älteste Geschichte des Kunstgewerbes,

das nach Material und Technik seine Würdigung findet. Dabei ist aber

der Bau der Stiftshütte und damit der spätere Tempel strenge bis in's

kleinste Detail an jenes Vorbild gebunden, das der Herr dem Moses auf

dem Berge, also in der Vision gezeigt hatte: nEin Heiligthum sollen sie

mir machen, nach dem Vorbilde des Zeltes, das ich dir zeigen werdeß

Dieser strengsten Gesetzmäßigkeit steht aber eine Bemerkung zur Seite,

welche an die Künstlernamen eines Beseleel und Ooliab anderthalbtausend

 Jahre vor Christus geknüpft wird: nDer Herr hat den Künstler

erfüllt mit dem Geiste Gottes und mit Weisheit und mit Verstand und

mit Wissenschaft und aller Erkenntniss, zu erdenken und zu machen das

Werk in Gold und Silber und Erz und Stein zu schneiden und Holzwerk

 zu zimmern. Was man künstlich erfinden kann, gab er in sein

Herz. Auch den Ooliab vom Stamme Dan's - Beide versah er mit Weisheit,

 um Zirnmerwerk zu machen, Kunstweberei und Stickerei, Hyazinth

und Purpur, auch zweimalgefärbten Carmosin und Byssus und um Alles

zu weben und allerlei Neues zu erfindenm Gewiss eine in ihrer directen

Beziehung auf Gottes Geist erhabene Auffassung des künstlerischen, ja

sogar des kunstgewerblichen Berufes, um so auffälliger bei einem Volke,

das, wie die Juden an bildender Kunst, im Gesetze und in der Praxis

gleich arm erscheint. Das auserwählte Volk der Kunst aber waren die

Hellenen; ihnen war die natürliche Offenbarung der Schönheit zu Theil

geworden. An Stelle hässlicher Götzenbilder streben sie menschlich schöne

Forrnen an, mehr als irgendwo ist bei ihnen der hohe Stil der Kunst

von der religiösen Auffassung untrennbar. Mit dem Aufgeben des alten

naiven Götterglaubens trat in ihrer Kunst an Stelle der selbstlosen

Schönheit und einfacher Hoheit das Streben nach spannender Wirkung

und damit der Beginn des Verfalles ein. Sehen wir von der griechischen

Tempelarchitektur ab, da sich die Culthandlung doch außerhalb derselben

abspielte und hören wir den Römer Vitruv, wo er von der satzungsmäßigen

 Richtung der Altäre und der Tempel spricht und im äaimtzdpdg

verlangt, man möge die Säulenordnungen nach dem psychologischen

Charakter der Götter auswählen. Die dorische Ordnung, also Strenge

und robuste Kraft der Formen, verlangt er für Minerva, Mars und Herkules,

 während Venus, Flora, Proserpina in korintisch-graziöser Architektur

 und die ernste Juno, Diana, Liber Pater und ähnliche Götter in

den jonischen Formen die gebührende Bauweise finden sollen; ein Verlangen

 allerdings, dem die Monumente widersprechen. Vitruv aber sieht in

diesem Öefzandpögßlatiü oder consuetudo seu natura), in dieser satzungsmäßigen,

 wie von Natur aus gebotenen Bauweise die Vollendung aller

architektonischen Rücksichten. Selbstverständlich scheint uns bei all'
            
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