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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 4)

ll

ich das Elfenbein nennen. Es wäre z. B. theoretisch zulässig, das in

seiner reichen Ausstattung interessante Problem der Monstranze einmal

in diesem oder wenigstens theilweise mit diesem Material zu lösen,

wenn nur die unmittelbaren Hostiengefäße in Edelmetall ausgeführt

werden. Es würde ein solcher Versuch in chryselephantiner Technik

auch mit der kirchlichen Tradition sich berühren. Die thurmförmigen

Monstranzen sind ja nichts anderes als durchsichtig gedachte Ciborien;

und das Ciborium ist die altchristliche elfenbeinere Pyxis (Artophorion,

turris), auf einen bequem fassbaren Fuß gestellt. Auf der vaticanischen

Ausstellung war der andere Typus der Monstranze, die Sonnenform, durch

eine solche vertreten, deren Strahlen in fingerlangen Corallen ausgeführt

 waren.

Zugleich ist dieser Gegenstand ein Beleg für unsere zweite und

dritte Regel. Die nicht seltene Sitte, besonders gothische Thurrnmonstranzen

 mit Heiligenf-iguren zu schmücken, wird liturgisch beanständet.

Diese Figuren sind meines Wissens nicht direct verboten, wohl aber verstoßen

 sie, besonders in auffallender Selbständigkeit, gegen die ausdrückliche

 kirchliche Vorschrift, dass bei Aussetzung der heiligen Hostie nur

diese das Centrum der Andacht zu bilden habe, weswegen auch die Verhüllung

 der übrigen Altarfiguren, anbetende Engel ausgenommen, gefordert

wird. im Geiste dieser Vorschrift wären daher Engelfiguren mit den Geberden

 oder Zeichen der Anbetung und Verehrung auch auf Monstranzen

zulässig und sind jedenfalls den abzulehnenden Heiligenfiguren vorzuziehen.

Die dritte Regel fordert für neue Monstranzen die Einhaltung einer

der beiden Grundformen: des Thurmes mit den beiden Seitentheilen,

welche ursprünglich als eine Art Strebepfeiler den Deckel des durchsichtigen

 Gefäßes mit dem Boden verbanden - oder der Sonnenform, zu

welcher auch die historischen, mit freilich nur kleinen Strahlen gezierten

Kapselmonstranzen der Gothik gehören. Die Strahlen sind von Papst

Clemens Xi. gewünscht. Andere Grundformen, wie Stammbaum Christi,

Bundeslade, Triumphbogen, herzförmige Monstranzen sind abzulehnen;

nichts aber steht principiell entgegen, auch den romanischen Stil für

diesen Gegenstand heranzuziehen, praktisch dürften seine Rundungen für

die Sonnenform sich sehr eignen.

Kirchlicherseits wäre, andere Techniken betreffend, kein Hinderniss,

die vor einiger Zeit in Noth gerathene Perlmutterarbeit zu verwerthen,

z. B. zu Einlegearbeiten auf Tabernakel, freilich müsste es technisch

dauerhaft und vielleicht eher nur in kostbaren Holzgattungen auszuführen

sein. Für Antipendien wollte man in letzter Zeit Lederpressung in den

verschiedenen liturgischen Farben anregen, was aber wohl nur mit Vorsicht

 versucht werden könnte. Die in unserer kirchlichen Malerei fast

ganz vergessene Mosaiktechnik sei als eine besonders für kirchliche Zwecke

geeignete hervorgehoben.
            
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