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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 4)

vermag ich mich unter der Voraussetzung, dass dabei nur die politischen

Grenzen in's Auge gefasst bleiben und nicht etwa eine Zurückführung des

ornamentalen Inhalts der "türkischem- Teppiche auf eine national-türkische

Kunst darunter verstanden ist, im Allgemeinen anzuschließen. Dagegen

glaube ich nicht, dass die von Lessing zur Zeitbestimmung verwendeten

 Kriterien bei unserer dermaligen Kenntniss dieser letzteren ausreichen

 dürften, um wissenschaftlichen Anforderungen genügende Entscheidungen

 darauf zu begründen. Von den emaillirten Fliesen, die zur Zeitbestimmung

 dienen sollen, hat selbst noch Niemand eine präcise Zeitbestimmung

 geliefert. Publicirt sind solche, die von Bauten des 15. Jahrhunderts

 herrühren sollen; die Zuweisungen anderer in das 16. und

17. Jahrhundert beruhen nur auf Vermuthungen und das Gleiche gilt natürlich

 von den auf solcher Grundlage bestimmten Teppichen. Anders möchte

es sich mit den Teppichabbildungen auf Gemälden abendländischer Meister

des t6.-18. Jahrhunderts verhalten; diese vermögen wir fast ausnahmslos

auf ihre Zeitstellung hin so genau zu bestimmen, wie es innerhalb der

orientalischen Kunst, wo wir es nicht etwa mit inschriftlicher Datirung

zu thun haben, wenigstens bei dem heutigen Stande der orientalischen

Kunstforschung unmöglich ist. Auch hat sich dieses Kriterium schon

einmal bewährt, als Lessing vor anderthalb Decennien es unternommen

hatte, aus italienischen und deutschen Gemälden des 15. Jahrhunderts

die zur gleichen Zeit in Europa gebräuchlich gewesenen orientalischen

Teppiche zu bestimmen. Möglicherweise lässt sich auch aus Bildern des

16. und 17. Jahrhunderts der parallele Entwickelungsgang der orientalischen

Teppichgeschichte reconstruiren; diese Aufgabe bleibt jedoch erst durchzuführen,

 da Lessing keines von den Bildern, auf die er sich im Allgemeinen

 beruft, zur Abbildung gebracht hat'). Unser diesbezügliches

Wissen beschränkt sich also im Augenblicke blos darauf, dass auf Bildern

des 16. und 17. Jahrhunderts Teppiche mit dem "persischen-i Blumenrankenwerk

 abgebildet sind, woraus sich der Wahrscheinlichkeitschluß

ergibt, dass die erhaltenen Teppiche mit derartiger Musterung gleichfalls

im 16. oder 17. Jahrhundert angefertigt worden sind; damit ist aber unseren

 berechtigten Anforderuugen auf Präcision in der Zeitbestimmung nur

in sehr bescheidenem Maße Genüge geschehen. Was endlich die inneren

Kriterien anbelangt, die sich hauptsächlich auf die relative Vollkommenheit

 in der Durchführung der Details stützen, so werden diese ihren

unbestrittenen Werth offenbar erst dann gewinnen, wenn ein fester Ausgangspunkt

 von anderer Seite her in unzweifelhafter Weise festgestellt

sein wird.

') Seither hat W. Bode in einem mit Rücksicht auf die reiche Autopsie dieses

vielgereisten Teppichkenners sehr bemerkenswerthen Aufsetze über das Vorkommen

orienulischer Teppichdarslellungen auf abendländischen Bildern einiges Ausführlicheres

miigelheilt (im Jahrb. der kbnigl. preuß. Kunslsamml. Xill, I).
            
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