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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 5)

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Vorfahren überkommenen Weise gearbeitet und verwendet wird, ist er

ein Luxusgegenstand des Bauern, des conservativen Landvolks. Der Bauer

verfertigt ihn, der Bauer gebraucht ihn, oder vielmehr er gebraucht ihn

gewöhnlich nicht, weil er ihn als kostbarstes Gut in der Familientruhe

verwahrt, das nur bei den seltensten Feierlichkeiten an's Tageslicht

gebracht wird.

Im Hinblick auf diese Eigenthümlichkeiten des Kilim wird man es

also wohl gerechtfertigt finden, wenn derselbe eingangs als eine interessante

 culturhistorische Specialität bezeichnet wurde. Aber wie so viele

andere dieser Specialitäten ist auch der Kilim anscheinend rettungslos

dem Schicksale verfallen, in Folge des allmäligen Dahinschwindens seiner

Existenzbedingungen die Weiterpflege einzubüßen, zu Grunde zu gehen.

Was soll in der modernen Welt des Maschinenwesens und der Arbeitstheilung

 ein Ding, das fast ohne alle technischen Hilfsmittel mit bloßer

Hand hergestellt wird, und dem Arbeiter soviel Zeit kostet, dass er sich

von dem Erlöse der gleichen Zeit, wenn er sie auf eine andere gewinnbringendere

 Arbeit verwendet, etwa ein halb Dutzend fabrikmäßig hergestellter

 Decken kaufen kann, wovon eine ihm den Zweck des Kilims

schon vollständig erfüllt? Bleibt also blos der Affectionswerth: just einen

Kilim zu besitzen. Dieser Affectionswerth war beim conservativen Landvolk

 vor Zeiten nicht gering anzuschlagen, und darf bekanntlich unter

Umständen auch heute noch damit gerechnet werden. Aber nachdem wir

Städter mit allen Mitteln beflissen sind, durch schulmäßige Verbreitung

der Aufklärung den Aberglauben der Landleute mit Stumpf und Stiel

auszurotten, dürfen wir uns nicht wundern, wenn das aufgeklärt gewordene

Landvolk nicht nur den Glauben an Geisterspuk und Zauberwesen verloren,

 sondern auch die Werthschätzung für andere ererbte, und zwar

harmlosere Dinge , z. B. für Bauernmajolika und Bauernkilims zum

größten Theile eingebüßt hat. Der Bauer ist eben in vielen Gegenden

auch schon praktisch geworden und findet es unökonomisch, sich fernerhin

noch kostspielige Kilims anzuschaffen.

Diese Erfahrung hat man nicht erst in den jüngsten Zeiten gemacht;

schon in den Sechziger Jahren, als man in gebildeten Kreisen die bislang

verachtete Bauernkunst Oesterreich-Ungarns um ihres alterthümlichen

und- bestimmt ausgeprägten Charakters willen plötzlich zu schätzen lernte,

ward man des allarmirenden Umstandes gewahr, dass der Kilim zwar

noch vielfach in praktischem Gebrauche stand, aber nur mehr in sehr

beschränktem Maße und auf ganz vereinzelten localen Gebieten noch

weiter erzeugt wurde. S0 fanden sich z. B. in den von Serben bewohnten

Landstrecken der ehemaligen Militärgrenze nach KränjavPs Bericht noch

in den Siebziger Jahren unglaubliche Mengen von Kilims in den Häusern

der Bauern aufgestapelt, neue wurden aber nur in sehr reducirter Anzahl

gearbeitet. Aehnliche Verhältnisse konnte man im südöstlichen Ungarn

bis nach Siebenbürgen hin beobachten. Angesichts einer so ausgedehnten
            
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