als Handwerk gelten zu können; denn die Bereitwilligkeit des Teppichwebers,
gegen Lohn für einen Anderen auf Bestellung zu arbeiten, ist
bereits vorhanden. Es ist da auch schon Arbeitstheilung eingetreten,
nicht jeder Bauer in Podnlien kann Teppiche wirken, sondern nur Einzelne.
Dagegen steht in jeder rumänischen Hütte in der Bukowina ein
Webstuhl, und jede Bäuerin weiß sich darauf ihren Bedarf an Wollteppichen
zu weben, ebenso wie ihre Leinenhemden, Gürtel u. s. w.
Es war nothwendig, den wirthschaftlichen Charakter der rumänischen
Bauern-Textilarbeiten als Hausfieiß in scharfen Umrissen festzustellen,
weil dadurch - wie sich später zeigen wird - die Frage nach
Zweck und Nützlichkeit der in Rede stehenden Ausstellung sehr wesentlich
bedingt ist. Den geschildertenVerhältnissen ist es wohl auch zuzuschreiben,
dass der Bazar käuflicher Gegenstände, dessen Veranstaltung gleichfalls
in das Programm der Ausstellung aufgenommen worden war, unter allen
Programmpunkten den mindesten Erfolg aufzuweisen hat. Was über lntervention
der Damen vom Verein rumänischer Frauen von Bäuerinnen
direct eingesendet worden ist, musste nach dem Eingangs Gesagten natürlich
von vornherein als unverkäuflich erklärt werden. Es konnte daher
für den Bazar nur eine kleine Anzahl von Arbeiten in Betracht kommen,
die Eigenthum von Damen waren, gearbeitet zwar von Bäuerinnen, aber
im Dienste dieser Damen. Es bedeutet dies eine Durchbrechung des
reinen Hausfieißcharakters, wie sie sich eben aus dem Umstande erklärt,
dass die gebildeten Classen auch in der Bukowina die modernen westeuropäischen
Verhältnisse übernommen haben und ihre nächste Umgebung
dadurch beeinflussen. Da übrigens die betreffenden Gegenstände nicht
anders gearbeitet und verziert sind, als wenn sie von ihren Anfertigerinnen
für ihren eigenen Gebrauch bestimmt gewesen wären, so konnte derjenige,
der die Ausstellung zur Erwerbung typischer Costümstiicke und
Stickereien des rumänischen Landvolkes de! Bukowina benützen wollte,
in der That froh sein, wenigstens diese beschränkte Gelegenheit zum
Zugreifen zu finden, zumal alle Versuche, bei den Bauern selbst Einzelnes
zu kaufen, wie ich sie in verschiedenen Dörfern wiederholt unternommen
habe, selbst unter Intervention des Gutsherrn oder Pfarrers
absolut fehlschlugen, überhaupt von vornherein kein Gehör fanden.
Wenn trotzdem bukowinische Costüme und Teppiche gelegentlich
in den Städten auf den Markt kommen, von wo sie den Weg in die
Sammlungen auswärtiger Liebhaber oder Museen finden, so pliegt dieswenn
man von der eben erörterten, erst in neuester Zeit vorkommenden
Vermittelung durch rumänische Damen absieht - auf zweierlei Wegen
zu geschehen, die beide von einem anständigen Käufer einfach nicht betreten
werden können. Entweder wird die Unbehilflichkeit dieses naiven
und einfachen Landvolkes gegen Vergewaltigung ausgenützt, sofern dieselbe
nicht gerade im Wege des nackten Raubes, sondern begleitet von
einer aufdringlichen und ausdauernden Pression erfolgt. Ferner gelingt