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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 7)

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es mitunter einem jüdischen Händler in Fällen höchster Noth, namentlich

bei drohender Steuerexecution, der Bäuerin ein Hemd oder einen Teppich

um einen Spottpreis abzuringen. Ein freiwilliger Verkauf seitens der

bäuerischen Besitzerin und Verfertigerin kann dies aber weder in dem

einen noch in dem anderen Falle genannt werden.

Die ausgestellt gewesenen Webereien und Stickereien bestanden fast

ausschließlich in Costümstücken. Das Hauptstück des rumänischen weiblichen

 Costüms (und auch des männlichen) ist das Hemd, die antike Tunica.

Da dasselbe im Obertheil, oberhalb der Hüften, wenigstens in der besseren

Jahreszeit - innerhalb des Hauses auch im Winter - ohne einen Ueberwurf

 ganz frei getragen wird, erscheint es auch an den freien Stellen

entsprechend verziert. Da ist einmal der Halssaum, ferner die zwei breiten

über Brust und Rücken laufenden Streifen - dem Wesen und wahrscheinlich

 auch der historischen Entwickelung nach die beiden Clavi der

römischen Tunica der Kaiserzeit - endlich der Aermel, und zwar dieser

in der reichsten Weise geschmückt, mit breitem Achselstück (das ebenfalls

 auf Zusammenhang mit der spätantiken Tunica hinweist) und mehrfachen

 Querstreifen, die bis zur Handwurzel herabgehen. Bemerkenswerthe

 Verzierungen zeigen ferner noch die Taschentücher, namentlich

die zu Hochzeitszwecken gestickten, sowie die gewebten Gürtel. Als

Material fungirt neben vielem Gold ein mehrfarbiges Garn. Charakteristisch

 ist nun für diese rumänischen Webereien und Stickereien vor

Allem die Farbenwirkung. Namentlich gegenüber vielen slavischen Textilarbeiten,

 die sich durch bunte, vielfach schreiende Farbencontraste auszeichnen,

 unterscheidet sich die rumänische Stickerei durch ihre harmonisch

 abgedämpften Töne. Schwarz und Orangegelb spielen hiebei eine

Hauptrolle, das kühle Blau tritt dagegen ganz zurück, das Roth findet

nur discrete Anwendung, unter Beigabe eines entsprechenden Gegengewichts.

 Bemerkenswerth ist die regelmäßige Anwendung von Palgetten,

häufig sind auch ganz kleine Perlen verwendet, um in schmalen Schnüren

die einzelnen Streifen der Aermelstickereien voneinander zu trennen.

Welchen Zweck verband man mit dieser Abtheilung der Exposition?

Dem Hauptproducenten dieser Arbeiten, dem Landvolke selbst, konnte

man damit nichts Neues bieten oder lehren. Das Landvolk arbeitet ja die

Sachen noch heute und verwendet dieselben ausschließlich, unter Vermeidung

 aller und jeder Fabriksarbeit wie z. B. der gedruckten Cattune,

die in Podolien schon so vielfach zu Kleidungszwecken gebraucht werden.

Das rumänische Landvolk ist auch stolz auf diese seine Arbeiten und

eifersüchtig hütet jede Bäuerin ihre eigenthümlichen Muster. So geschah

es, dass in meinem Beisein eine Bäuerin in Nowoselitza ihrem Gutsherrn,

dem daselbst allbekannten Herrn Dr. v. Zotta, die Entleihung auch nur

eines von ihren paar Dutzend Hemden auf die Ausstellung verweigerte,

mit der ausdrücklichen Motivirung, dass man ihr bei dieser Gelegenheit

ihre Muster abgucken könnte.
            
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