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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 7)

"LJU

Le Blon bediente sich für seinen, von ihm ausdrücklich ausgesprochenen

 Zweck, Gemälde zu drucken ') nicht gestrichener, sondern

geschabter Platten. Diese Technik der sogenannten Maniere noire oder

Schabkunst war um 1640 von dem hessischen Oberstlieutenant Ludwig

van Siegen erfunden, dann durch den pfälzischen Prinzen Ruprecht

nach England gebracht und dort mit der Zeit so ausgebildet und beliebt

geworden, dass man diese Art oft auch den venglischen Stichu genannt findet.

Sie besteht darin, dass mit dem Granirstahl oder Wiegmesser eine Kupferplatte

 nach Kreuz und Quere so vollständig sammtartig aufgerauht wird,

dass sie dann, mit der Druckerschwärze eingerieben, im Abdruck eine

ganz gleichmässig schwarze Fläche ergibt. ln dieser Platte sind mithin

alle Schattenpartien bereits vorbereitet und es handelt sich nun darum,

aus dieser schwarzdruckenden Platte die Uebergänge und Lichter herauszuarbeiten.

 Dies geschieht mit dem Schabeisen, indem dort, wo noch

einige Druckerschwärze für die Schattenübergänge aufgenommen werden

soll, die sammtige Granirung der Platte nur theilweise, dort aber, wo

im Abdruck die Lichter kommen sollen, diese Granirung ganz ausgeschabt

 wird, damit beim Einreiben an diesen Stellen gar keine Druckerschwärze

 haften bleibe. Die Schabkunst arbeitet also in entgegengesetzter

Weise von dem gewöhnlichen Kupferstich oder der Radirung: bei letzterer

geht die Bearbeitung der Platte vom Licht zum Dunkel, bei der Schabkunst

 hingegen vom Dunkel zum Licht und dieselbe besitzt überdies,

weil sie gar keine scharfen Contouren aufweist, den Vortheil größerer

Weichheit und Verschwommenheit als der scharf umrissene Kupferstich.

Gerade diese letztere Eigenschaft größerer Weichheit und die Möglichkeit

 rascherer Herstellung ließ die Schabkunstmanier dem Le Blon

für die von ihm beabsichtigte Nachahmung von Gemälden besonders

willkommen erscheinen, und zwar verwendete er für seine Zwecke drei

geschabte Platten in den Grundfarben von je blau, gelb und roth. Durch

das Uebereinanderdrucken dieser Grundfarben erzielte er die nothwendigen

Uebergänge und Mischfarben: mit blau und gelb die grüne Farbe, mit

blau und roth den Purpur und das Violett und mit gelb und roth die

Orangefarbe. Zuerst wird die blau eingeriebene Platte abgedruckt für

die Contouren und den Hintergrund, dann die gelbe für die zarten Töne

und die Reflexe und zuletzt die rothe zur Belebung des Bildes besonders

in den Fleischpartien. Die schwarze Farbe war also bei Le Blon ganz

ausgeschlossen und darum erscheinen seine Abdrücke gar so weich und

zart verschwommen; bei intensiven Schatten, welche durch einfachen

Ueberdruck nicht zu erreichen waren, hat er schiesslich mit Stichelarbeit

') L'art d'imprimer les tableaux. Traite düzpres les ecrits, les operations et les

instructions verbales de J. C. Le Blon, herausgegeben von Gautier de Montdorge. Paris,

Le Marder, 1756. 8'. Vorher hatte er auf Grundlage von Newton's Optik in London

verdtfentlicht: Colorito or the Harmony of Colouring in Painting. Auch mit französischem

Texte und farbigen Kupfern.
            
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