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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 10)

nimmt er das königliche Scepter, das in verschiedenen Formen vorkommt, 
unter welchen die des Krummstabes und die der Geißel am häufigsten 
angetroffen werden. Schmuck und Tracht des Herrschers unterliegen 
einem strengen Ceremoniell, eine Schaar von Hofbeamten hat darüber 
zu wachen, dass in keiner Weise ein Verstoß dagegen geschieht. Unter 
diesen Leuten gibt es wieder eigene Vorsteher und Schreiber, Obermetall- 
arbeiter und Oberkünstler, die allesammt der großen Verwaltung des 
Schatzhauses untergeordnet sind, dessen Chef auch die Kleider des Königs 
zu beaufsichtigen hat w). 
Wurde bei Hofe dern Schmuck und der Kleidung eine solche Be- 
deutung beigelegt, so kann man leicht ermessen, dass dieses Beispiel in 
der gestimmten vornehmen Welt eifrige Nachahmung fand. Das Tragen 
von Perrücken auf dem glattrasirten Kopf - eine Sitte, die sich aus 
Reinlichkeitsrücksichten schon sehr früh eingebürgert hat - wurde immer 
allgemeiner und auf sorgfältige Herstellung künstlicher Haartouren augen- 
scheinlich großes Gewicht gelegt, ja bei Hofe bildete die Obsorge für 
die Perrücken des Königs ein hohes angesehenes Amt. Nur gemeines 
Volk sehen wir noch mit dem eigenen Kopfhaar umhergehen. Die Stoffe 
der Kleider sind färbig, oft auch bunt, und manchmal mit Perlstickerei 
versehen "'). Gewöhnlicher Perlenschmuck ist so allgemein, dass er als 
bequemes Tauschmaterial im gewöhnlichen Marktverkehr angesehen wird"). 
Alles in Allem genommen haben die drei Jahrhunderte ununter- 
brochenen Gedeihens und Fortschreitens unter der IV. und V. Dynastie 
mit ihren fünfzehn Pharaonen eine erstaunliche Fülle feinerer Lebens- 
gewohnheiten und Bedürfnisse entwickelt, und man hat es trefflich ver- 
standen, auf Grund einer hoch ausgebildeten Technik und nicht geringen 
künstlerischen Geschicklichkeit die äußere Erscheinung der Menschen 
diesen verfeinerten Sitten anzupassen. (Fortsetzung folgt.) 
Ein Besuch bei Theophilus. 
Von Hlns Mac ht. 
(Schluss) 
Wie die Nagelkopfrosetten schlägt Theophilufauch zwischen Blei 
und vertieft geschnittener Stahlstange Reihenornamente und nennt uns 
viele Dinge, zu deren Schmuck er sie empfehlen will'). ln der That 
haben von solchen Ziermitteln die Meisterwerke romanischer Kunst 
5er trellliche Beispiele aufzuweisen. Diese Kanne, für den Messwein 
") Vergl. Ermnn, Aegypten, I, 97. 
") Fnu den Sechemh, Louvre A. m2. 
") Lepsius, Denkm. lV, Tel. 19x. 
') L. c. Clp. LXXlV: De opere quod nigillil imprimitur.
	        

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