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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 10)


das Auseinanderhalten und die gesonderte Behandlung beider Spharen erschwert, ja

manchmal gänzlich gehindert. Diese Sphären umfassen einerseits die Mittel zur Erlangung,

 anderseits die Grundsätze zur Verwerthung der Zeichenfertigkeit.

Nach beiden Richtungen hin wird heute ein Universalmittel zur Durchführung

der - wie behauptet wird - dringend nbthigen Verbesserung des herrschenden Zustandes

 anernpfohlen. Die Sturmßuth fachlitterarischer Abhandlungen mit Vorschlagen zur

Reform der zeichnerischen Flcher im Allgemeinen und des Zeichenunterrichtes insbesondere

 lasst mit wenigen Ausnahmen nur ein einziges Wort als Leitmotiv vernehmen:

Natur! ist allenthalben die Losung.

Obwohl auch der Verfasser der vorliegenden Abhandlung die Wichtigkeit des

Naturstudiums für den Zeichner, namentlich für den Ornainentisten, in vollsten) Maße

anerkennt, so erweist er sich doch in seinen Folgerungen als kein zu großer Sanguiniker.

Er will Programm und Methode je nach den Erfordernissen der einzelnen Unterrichtsstufen

modificirt wissen. Er behandelt zunächst die Frage, in welcher Weise schon der allgemeine

 elementare Zeichenunterricht der Losung der Aufgabe, den Ornamentisten

 selbständiger zu machen, das Stilgefühl desselben zu wecken und zu kraftigen,

verarbeiten konnte, und erörtert dabei eingehend jene Verhältnisse, welche das Zeichnen

von Naturforrnen auf den niederen Stufen des Unterrichtes nur in eingeschränktem Maße

gestatten. Auf dem Gebiete des eigentlichen Fachunterrichtes ernpüehlt der Verfasser im

Anschlusse an die seinerzeit von W. Meurer aufgestellten Principien, ndas Studium der

Naturformen unter Vergleichung mit den Kunstformen fruhcrer Stile und unter Anwendung

 auf die Ornamentik und das Kunstgcwerbe eingehend zu betreibena, wobei er ausdrücklich

 hervorhebt, dass nnur Schiller, deren zeichnerische Fertigkeit und stilgeschichtliche

 Kenntnisse nachgewiesen Sindl, in den entsprechenden Classen aufgenommen werden

dürften. Zum Schlusse wird die Wahl der Lehrmittel in Erwägung gezogen. Die im Pfßllr

ausschreiben enthaltene Frage des Unterrichtes im Malen nach natürlichen Pilanzen ist

ohne Erörterung geblieben. Eine weitere hocbbedeutsame Frage wurde in dem Ausschreiben

 zwar nicht aufgeworfen, doch indirect berührt: die Frage des Contactes zwischen

 der ideal schopfenden Kunst und dem ausführenden Gewerbe. Sie ist auch in

Moser's Schrift nicht unbeachtet geblieben, doch, nach den beigegebenen Entwürfen zu

schließen, ohne entschiedenes Eingehen in die von der Praxis dictirten Verhlltnisse.

M-t.

Innendecoration des kgl. bayer. Lustschlosses Schleißheim. Photographisch

aufgenommen von Otto Aufleger, mit geschichtlicher Einführung

von J. Mayerhofer. 30 Blatt Lichtdr. Fol. München, L. Werner,

i89i. M. 30.

Vorliegende Publication bildet nicht etwa, wie man wohl meinen rnüchte, eine

versnderte Wiederholung des 1885 bei Seemann erschienenen Werkes über Schleißheirn,

zu welchem ebenfalls Mayerhofer den Text verfasst hatte, wlhrend an Stelle der Lichtdrucke

 von Aufleger und Albert die großen Kupfertafeln von Ohermayer getreten waren,

sondern sie ist vielmehr ein ganz selbstandigea Werk, das unter Umständen als eine sehr

willkommene Erweiterung und Ergänzung jener größeren, seinerzeit rnit Unterstützung

König Ludwig ll. erschienenen Publieation angesehen werden kann.

Führen uns die Kupfertafeln besonders die Großartigkeit des Ganzen, die architektonischen

 Coneeptionen, den Aufbau und die Gliederung der Raume sowie in Durchschnitten

die wechselseitigen Beziehungen der Säle und Gemächer vor Augen, so vergegenwärtigen

uns dagegen die Lichtdrucke die außerordentliche Fülle des ornamentalen Details und

den Reichthum der decorativen Geaammtwirkung. Sie geben dies trotz aller Scharfe in

der weichen Modellirung und malerischen Wirkung des Originales wieder, und machen

uns mit einer Reibe perspeetivischer Ansichten in diesem herrlichen Schlosse bekannt,

von denen der Stecher, in der Absicht blos orthogonale Aufnahmen herzustellen, vollknmmen

 absehen musste. lst daher die erue Puhlication bei aller Vornehmheit trockener

und kühler, so versetzt uns die zweite mit aller Unmittelbarkeit in den decorativen

Freudenrausch der Barocke, in die bestriekenden Reize, welche eine Reihe hervorragender

 Stukkatorer, Steinmetze, Bildhauer, Bildgießer und Maler unter der Oberleitung

des feinsinnigen Architekten Josef Eifner (17t6 bis 17:1) über alle Räume des Schlosses

zu verbreiten wusste. Der moderne Künstler aber, der auf decorativem Gebiete arbeitet,

erhült in zahlreichen Detailaufnabmen eine Fülle herrlicher Motive, wie sie nur in den

allervornehmsten Schloasern jener Zeit wiederkehren. Fs.

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