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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 10)

 
Für die memphitische Periode, das sogenannte "Alte Reichw- 
(vor 2130 v. Chr.), bilden die Darstellungen in den Mastaba's die wich- 
tigste Fundstätte ägyptischen Schmuckes. Diese in der Nähe der großen 
Pyramiden liegenden Privatgräber der vornehmen Bewohner von Memphis 
entwickeln in ihren figurenreichen Darstellungen ein anschauliches Bild 
ägyptischen Lebens und Treibens und zeigen zunächst in Bezug auf 
Schmuck und Tracht einen hohen Grad von Einfachheit, ja eine Be- 
dürfnisslosigkeit, die für's Erste überrascht, da wir nicht nur wissen, 
dass wir hier bereits vor Erzeugnissen einer alten Cultur stehen, son- 
dern uns auch erinnern, zu welch' hoher Vollendung es die Aegypter 
auf anderen Gebieten der Kunst, namentlich auf dem der Sculptur, schon 
gebracht haben. 
Hat eine zu hohe Auffassung von den Aufgaben der Kunst dieses 
Volk daran verhindert, sein technisches Können an Arbeiten geringerer 
Art zu verschwenden? Oder sollen wir in dieser Einfachheit einen cha- 
rakteristischen Zug der Culturnation im Gegensatze zu barbarischen 
Stämmen erkennen, welche in der Regel schon ihre primitivsten tech- 
nischen Errungenschaften zur Hebung ihrer äußeren Erscheinung ver- 
wenden? - Noch Eines könnte als Grund dieser merkwürdigen That- 
sache angenommen werden, ich meine die oft im Laufe der Geschichte 
zu beobachtende Neigung der Culturvölker, erst von der Beschäftigung 
mit höheren Problemen zur Lösung von solchen niedrigerer Ordnung 
herabzusteigen, den Bau nicht von unten, sondern von der Spitze zu 
beginnen. 
Was indess auch die Ursache sein mag, dass ein in technischen 
Dingen weit vorgeschrittenes Volk sein Können durch lange Zeit höheren 
Kunstgattungen zuwendet, ohne es auf dem Gebiete der Entwickelung 
von Schmuck und Tracht entsprechend zu verwerthen, für unsere Zwecke 
hat diese Erscheinung jedenfalls den Vortheil, dass uns, wenn auch nicht 
in Bezug auf die Technik - da wir es zunächst mit Abbildungen zu 
thun haben - so doch rücksichtlich der Form die ersten Anfänge vor- 
zuliegen scheinen. 
Die Kleidung hat man, nach den ältesten Bildern zu schließen, 
noch als Luxus betrachtet; sie ist weder durch das Bedürfniss, noch 
durch den Anstand unbedingt geboten, wird unter Umständen, wie bei 
schwerer Arbeit oder Beschäftigung im Hause ganz fortgelassen, und ist 
namentlich bei Männern mehr Körperzier als Gewand. Sie hatte an- 
fänglich wie bei den Negern blos aus einem Lendengürtel bestanden, an 
dessen Vorderseite zwei bis drei Bänder herabhingen, und in dieser Form 
finden wir sie noch bei den niedersten Ständen; der König schmückt 
sich-aber schon auf den ältesten Bildern überdies noch mit einem bis 
an die Knie reichenden Schurz. Der Gürtel, welcher diesen Schurz zu- 
sammenhält, gab Anlass zum ersten, höchst primitiven Schmuck, den nur 
der König trägt, da er symbolische Bedeutung hat; es ist ein Löwen-
	        

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