Auszeichnung nicht beizuwohnen. lhr Urmotiv dürfte vielmehr der einfache
Blumenkranz sein, der Ausdruck fröhlichen naiven Lebensgenusses.
Dahin weist wenigstens der Umstand, dass die Blume auch im künstlichen
Bande noch die wichtigste Rolle spielt. So trägt die Statuette der
Nefert, der Gemahlin ienes Rähotep im Museum zu Gizeh eine Stirnbinde
mit zierlich aneinandergereihten Rosetten. Nicht immer jedoch
bleiben die Blumen wie hier in der Fläche, sie treten auch plastisch aus
derselben heraus, in dieser Form noch mehr an ihr einstiges Vorbild
erinnernd. Solche Diademe haben ebenfalls die Form von Stirnbinden
und sind mit einer oder mehreren Lotosblumen verziert. An natürliche
Blumen ist dabei absolut nicht zu denken. Die Art, wie diese Blumen
sich manchmal zu künstlichen Figuren gruppiren, wie sie durch senkrechte
Stäbchen mit Perlen von einander getrennt werden und ohne
Stil direct mit ihrem Blumenkelch in der Mitte zwischen dem oberen
und unteren Rande des Stirnbandes aufsitzen, das Alles macht es zweifellos,
dass wir es mit künstlichen Blumen zu thun haben. Die Lotosblüthen
sind bald einzeln vorne über der Stirne und rückwärts, wo das Band sich
zusammenfügt und in zwei ungleich langen Endigungen gegen den Nacken
herabfällt, an das Diadem befestigt, bald bilden sie einen ringsum
laufenden Kranz in regelmäßiger Anordnung und Vertheilung, bald sind
ihrer mehrere an einem Punkte vereinigt. Manchmal erhebt sich in der
Mitte am Scheitel senkrecht emporstehend eine Lotosblume; sie ist an
diesem Punkte wahrscheinlich durch eine Spange festgehalten, die von
rückwärts nach vorne im Viertelbogen vom Diadem aufsteigt").
Alles deutet darauf hin, dass wir es hier mit einer Goldschmiedearbeit
zu thun haben. Principiell steht einer solchen Annahme nichts entgegen.
Das Vorkommen von Goldperlen habe ich bereits erwähnt, Schriftzeichen
für Gold finden sich auf den ältesten lnschriften, und schon zu
Zeiten des Cheops verstand man Gold in Stein, Holz oder Bronze einzulegen.
Das Waschen und Schmelzen des Goldes ist bereits auf den
Denkmälern der ältesten Dynastien abgebildet und die Verwendung desselben
zu Zwecken des Schmuckes und der Toilette ganz und gar nichts
Ungewöhnliches, ja man nimmt sogar an, dass es schon im Alten Reiche
nicht nur mit Goldbesatz verzierte Kleider, sondern sogar Goldstoffe
gegeben hat m).
So sehen wir, wie allmälig die alte Einfachheit und Bedürfnisslosigkeit
in Bezug auf den Schmuck schwindet. Alle wesentlichen Schmuckgattungen,
Ohrringe und Fingerringe ausgenommen, waren bereits vorhanden,
oder, wie der Gürtel, wenigstens in einzelnen Fällen vorgebildet.
") Beispiele für die hier beschriebenen Arten siehe Lepeius, Denkm. lll, 36, 46,
6c, 73; IV, 90, 97. - Ein Diadem aus spaterer Zeit mit der erwahnten Spange beßndet
sich unter den Schmuckstücken der Königin Aahotep; die Spange ist in der Mitte abgebrochen
und vielleicht ist auch hier eine Lotosbluthe als Endigung zu ergänzen.
") Vergl. Erman, Aegypten, l, zS6.