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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 7)

,Ä

Holzschnitzereien nachweisen, wie denn überhaupt das "Vorguckenn weit

mehr dem Charakter der ostasiatischen, als demjenigen der mittelländischpersischen

 Ornamentik entspricht. Es wäre übrigens zu wünschen, dass

Kurnsch das von ihm gesprächsweise erwähnte, zweifellos sehr interessante

 Stoifmuster zur Veröffentlichung brächte.

Bei der Wichtigkeit, die nach dem zuletzt und auch früher wiederholt

Gesagten das chinesische Element für die Geschichte des orientalischen

Teppichs besitzt, traf es sich sehr günstig, dass sich Gelegenheit bot,

auch Teppiche von ostasiatischer Provenienz in verhältnissmäßig

reicher Auswahl auf der Ausstellung zu versammeln. Die japanischen

dürfen wir ohne Weiteres übergehen, da sie sich durchwegs als abgeleitete

 Erscheinungen von keinerlei selbständiger historischer Bedeutung

darstellen. Auch die chinesischen Teppiche stehen in Bezug auf die

Qualität hinter den persischen weit zurück. Teppiche werden es daher

kaum gewesen sein, woraus die persischen Teppichknüpfer die chinesische

 Decoration für ihre eigenen Zwecke gelernt und herübergenommen

haben. Das interessanteste Gebiet ist unter solchem Hinblick dasjenige von

Khotan oder Chinesisch-Turkestan, d. i. nämlich ein Gebiet, das ethnographisch

 zum Westen gehörig, stets das Grenzland zwischen Ost- und Westasien

 gebildet hat und gegenwärtig wie schon öfter früher unter chinesischer

Herrschaft steht. Der Grundcharakter der khotanischen Teppichornarnentik

ist zwar der, sarazenische: eine gebrochene Rankenornarnentik pflegt in

den meisten Fällen den Grund zu überziehen, und auch gewisse Einzelmotive,

 wie z. B. der Granatapfel, sind augenscheinlich westlicher Abkunft.

 Wir finden aber an diesen khotanischen Seidenteppichen zwei

Blattmotive, die einerseits der persischen und der von Persien beeinflussten

 Teppichornamentik besonders geläufig sind, anderseits aber auch

auf rein chinesischen Teppichen vorkommen: nämlich das dreispältige

Blatt (von Karabacek kryptograrnmatisch für Ali gelesen und erklärt)

und ein ausgezacktes, häulig gekrtimmtes Lanzettblatt, augenscheinlich

nächstverwandt dem persischen Lanzettblatt, das wir vom 16. Jahrhundert

 ab kennen. Da diese beiden Blattmotive in der älteren, sarazenischen

 Ornamentik bis in's 14.. Jahrhundert nicht nachzuweisen sind

erscheint es ziemlich sicher, dass dieselben aus China über Chinesisch-Turkestan

 nach Persien und dem muharnmedanischen Westen überhaupt

gelangt sind.

Die bisher besprochenenen Knüpfteppiche nahrnen den größten Theil

nicht blos der Ausstellungsräume, sondern auch des Interesses im Publicum

und selbst von Seiten der Fachmänner in Anspruch. Die zweite, an

Alter mindestens ebenso ehrwürdige Classe von orientalischen Teppichen,

die gewirkten oder in Gobelintechnik hergestellten sogenannten Kilim,

waren zwar principiell zur Ausstellung zugelassen, aber als eine Gruppe

zweiten Ranges, die weder ein besonderes künstlerisches Interesse zu erwecken

 noch unseren modernen praktischen Bedürfnissen sich besonders
            
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