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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 7)

sich entwickeln zu lassen; man kann diese Art als Fächerpalmette bezeichnen

 und am ehesten auf das Weinblatt zurückführen, ein in frühmittelalterlicher

 Zeit im Orient überaus verbreitet gewesenes decoratives

 Motiv.

Die geschilderte Rankenornamentik tritt am greifbarsten an den

persischen Teppichen im engeren Sinne entgegen. Aber auch die Ornamentik

 der vorderasiatischen, insbesondere der anatolischen und der Smyrna-Teppiche,

 verräth unzweifelhaft denselben Grundzug. An den älteren,

noch nicht fabrikmäßig nach persischen Vorlagen gearbeiteten Smyrna-Teppichen

 herrscht die gleiche Rankenornamentik wie in Persien, aber die

Ranken sowie die Blumenmotive sind eckig geknickt und gebrochen,

was einerseits der Knüpftechnik weniger Schwierigkeiten bereitete, anderseits

 aus dem gesteigert abstrakten Grundcharakter aller vorderasiatischsarazenischen

 Kunst erklärt werden kann.

Was ist nun im letzten Grunde die Ursache für die dargelegte

Gemeinsamkeit aller orientalischen Teppichornamentik? Am bequemsten

ist es da, mit der großen Ueberzahl derjenigen, die sich für diese Dinge

interessiren, eine selbständige Entwickelung aus sich selbst heraus anzunehmen.

 Und in der That, wenn man das scheinbar kraus verlaufende

Linienspiel des Rankenwerkes auf orientalischen Teppichen näher verfolgt,

so findet man bald, dass man es da mit einer verhältnissmäßig geringen

Anzahl von Grundmotiven und mit einer trotz der scheinbaren, hauptsächlich

 durch die Buntfarbigkeit erzeugten Verworrenheit ziemlich einfachen

 Linienführung zu thun hat. Bedarf es zur Erklärung einer im

Grunde so einfachen Ornamentik historischer; Vorbilder und Zusammenhänge?

 Auch die seit Jahren alleinherrschende Theorie von der technischmateriellen

 Entstehung aller primitiven Schmuckformen hat ganz wesentlich

 dazu beigetragen, die Ueberzeugung von der autochthonen Entstehung

der orientalischen Teppichornamentik immer mehr zu befestigen. Ist es

doch unter dem Einflüsse jener allmächtigen Theorie, deren Berechtigung

unter Anwendung entsprechender Vorsicht und Vermeidung doctrinärer

Uebertreibungen gar nicht bestritten werden soll, schon dahin gekommen,

dass namhafte Kunstforscher sich förmlich entschuldigen zu müssen

glauben, wenn sie sich herausnehmen, zwei "bloßen Ornamente in historische

 Beziehung zu einander zu setzen.

Und doch bedarf es nur eines Blickes auf die Entwickelung der

Künste im Alterthum, um das Irrthtimliche der Annahme eines selbständigen

 Ursprunges der Teppich-Rankenornamentik im Orient einzusehen.

Aus dem gesammten so reichhaltigen Gebiete der altorientalischen Ornamentik

 vermag man nicht ein Beispiel für die Anwendung der ausgebildeten

 Ranke beizubringen. Die Bogen, die die assyrischen und altägyptischen

 Lotushlüthen und Palmetten untereinander verbinden, sind keine

freibewegten Ranken, sondern starre, ewig einseitig verlaufende Bänder.

Eher vermochte man in der ägyptischen Spiralornamentik eine Vorahnung
            
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