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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 9)

MITTHEILUN GEN

DES

K. K. OESTERREICH. MUSEUMS

KUNST UND INDUSTRIE.

MonatschriAfmt für Kglstgewerbe.

Herausgegeben und redigirt durch die Direction des k. k. Oesterr. Museums.

Im Commissionsverlag von Carl Gerold's Sohn in Wien.

Abonnementspreis per Jahr H. 4.--



Nr. 69. (3I2). WIEN, September 189i. N. F. VI. Jahrg.

 

Inhalt: Das Dmtellnngsgebiet der modernen Grabsculplur. Von Karl Manner. - Le Brun und das

französische Kunstgewerhe. Von Jos. Folnesics. (Schluss) - Ueber den Ursprung der südalavischell

 Ornamentmotive. Von Prof. Dr. I. Kränjavi. - Angelegenheiten des Oesterr. Museums

und der mit demselben verbundenen Institute. - Litteralurbericht. - Bibliographie des Kunstgewerbcs.

 - Notiz.

Das Darstellungsgebiet der modernen Grabsculptur.

Von Karl Masner').

Bevor wir den Friedhof einer modernen Großstadt betreten, wollen

wir erst zwei andere Stätten besuchen, an denen Todte ruhen.

Die erste derselben ist das antike Pompeji. Wir haben die Gassen

der Stadt mit immer gleich regem Interesse durchwandelt und treten

nun durch das Thor hinaus auf die Straße, die nach Herculanum führt.

Da stehen wir nun an einem Orte, an dem Leben und Tod sich wundersam

 innig und freundlich durchdringen. In bunter Abfolge links und

rechts vom Wege Wohnungen der Lebenden, villenartige Gebäude, Herbergen,

 Schänken, Verkaufsläden, daneben und dazwischen als ein Gleichberechtigtes

 und in gewissem Sinne Gleichartiges die Wohnungen der Abgeschiedenen.

 Wie mit einem Schlage werden uns bei einem Gange auf

dieser Gräberstraße die Anschauungen der Antike über den Tod, ihr

Verhältniss zu den Abgeschiedenen und die vielfältigen Erscheinungen

des Todtencultus klar. Der antike Mensch sucht im Tode nicht stillen

Frieden, Ruhe und Abgeschlossenheit, er drängt sich heran an das Leben

und sein lautes Treiben; denn für ihn war das irdische Dasein Inhalt,

Werth und Bedeutung genug, als dass seine Phantasie darüber hinaus

schönere Freuden hätte ersinnen können und was hinter ihm liegt, das

kann nur ein Schatten der holden Wirklichkeit sein. Wenn also der Ab-')

 Vorlng, gehalten im k. k. Oesterr. Museum am 5. März 1891.

Jahrg. 1891. I2.
            
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