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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 12)

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sehr seltenen Ausnahmen, unbekümmert um alle Reformmittel ihren eigenen

Weg gegangen ist. Diese Kunst zeigt sich entweder als eine specifisch

englische, aus sich selbst hervorgegangene, oder sie weist, wie in Bezug

auf bestimmte Fälle schon angedeutet wurde, den EinBuss des modernen

Auslandes nach. Auf den Gebieten des Kunstgewerbes, bei denen es auf

den ersten Blick den Anschein hat, als wären die Kunstschätze der Vorzeit

 durch die Vermittelung öffentlicher Unterrichtsanstalten von befruch-(ender

 Wirkung geworden, wie z. B. bei der in London hochentwickelten

Buchbinderei, taucht doch am Ende wieder die Gestalt einer Persönlichkeit

 aus dem Gewerbeleben, eines Deutschen oder Franzosen empor,

dessen Thätigkeit zu lebendiger Reform führte. So denken wir wohLbei

Erwähnung der zuletzt genannten Kunstlibung an den Deutschen Zae hnsdorf,

 den leider schon verstorbenen Autor von "The ar! of bookbindingu,

dessen Thätigkeit dem Buchgewerbe Englands zu unschätzbarem Vortheil

 gereichte.

Und wie für die Praxis das reformanstrebende geregelte Kunststudium

 Großbritanniens nicht viel mehr als blos akademischen Werth zu

haben scheint, so zeigt sich auch der köstlichste Schatz von Vorbildern, insoferne

 er anregend auf das Bedürfniss des Publicurns wirken soll, ohne

Anziehungskraft und Wirkung. Stumpf und theilnahmslos ergeben sich

die Besucher des South Kensington-Museums in den weiten Räumen

desselben oder lagern ruhig auf den Bänken; und der Besucher sind

nicht gar viele. Gar in den Räumen der Indian section, voll der märchenhaften

 Pracht, kann sich der Beschauer tagelang aufhalten, ohne von

einem Menschenkind in seinen Betrachtungen gestört zu werden.

Ü

Unter den zahlreichen möglichen Standpunkten, von welchen aus- i

gehend der Kunstbeflissene die Schätze einer zu Bildungszwecken angelegten

 Sammlung mustergiltiger Werke des Gewerbetleißes einer systematischen

 Durchforschung und Nutzbarmachung unterziehen kann, zeigt

wohl vor Allem einer auf einen bequemen und mit besonderem Nutzen

zu beschreitenden Weg: derjenige, welcher auf die Erzeugnisse der Kunstübung

 ohne Hinblick auf Stilperioden und Entstehungsorte lediglich mit

Berücksichtigung der kunsttechnischen Verfahren hinweist. Es kann zwar

nicht geleugnet werden, dass ein solcher Standpunkt, bis jetzt wohl nur

wenig oder gar nicht gewürdigt, für Viele auf den ersten Blick keineswegs

 vielversprechend erscheinen mag. Die Vielfältigkeit der modernen

technischen Proceduren; die zu ungeahnter Vollkommenheit gebrachten

unzählbaren Hilfsmittel kunstindustriellen Schaffens mögen es zunächst

vielleicht als überflüssig erscheinen lassen, alten, längst nicht mehr ge-'

übten l-lerstellungsweisen nachzuspüren. Will man sich aber des Umstandes

erinnern, dass zahlreiche Arten hochgeschätzter Erzeugnisse trotz aller

Vervollkommnungen, welche die moderne Technologie aufzuweisen hat,
            
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