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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 1)

diese ganz - ähnlich den Arbeiten Tobias Stimmer's. Von 1583 ab

sind sämmtlicbe Zeichnungen in sehr geschickter Art getuscht, die strenge

nHolzschnittmanier-l, wie Haendcke die bisherige Zeichenweise Lindtmayefs

treffend nennt, ist einer flotten und lebensvollen malerischen Darstellung

gewichen. Die Figuren sind schlank, mit etwas gesuchter Haltung, die

Architektur ist stets in den Formen verhältnissmäßig rein, das Rollwerk

immer sehr maßvoll angewendet. Seine Stoffe für die Nebenbilder

der Wappenscheiben nimmt unser Meister, wie alle seine gleichzeitigen

Genossen, am häufigsten aus dem alten Testament, doch wechseln mit

diesen Darstellungen auch Scenen aus dem Volksleben, Schützenbilder,

Jagden u. s. w.

Zu Daniel Lindtmayefs besten Entwürfen für Glasmaler gehören

seine in Wien erhaltenen Visirungen. Die in der Albertina befindlichen

führt Haendcke, ohne Angabe ihres Besitzers, mit folgenden Worten an:

nWien, Ein zum Himmel schwebender König mit Engeln, 1572; Bischof,

in einem Buch schreibendm In Wirklichkeit sind es_ aber drei weiße

gehöhte Federzeichnungen ') auf rothem Grunde, nämlich eine Darstellung

von Gottvater in halber Figur, auf Wolken, eine Krone auf dem Haupte,

in der rechten Hand die Erdkugel, mit der linken segnend. Zu Seiten des

nimbirten Hauptes je ein Cherub mit Palmzweigen. Unten die Jahreszahl

1572 und auf der lang herabfallenden linken AermelöfTnung das Monogramm

 des Meisters (DLM in einander geschoben). Höhe 0'188, Br. 0'135

(Albertina-Sign. D. S. lV. 259). Die beiden anderen Zeichnungen sind

Darstellungen von zwei Kirchenvätern, im bischöflichen Ornat an Pulten

sitzend und schreibend; beide Blätter tragen das obenerwähnte Monogramm

 Lindtmayer's, ohne Jahreszahl, sind aber jedenfalls gleichzeitig mit

der Darstellung von Gottvater. Der auf jeder der beiden Zeichnungen

links unten noch erscheinende, voll ausgeschriebene Name Lindtmayefs

ist späterer Zusatz. Höhe jeder Darstellung 0'185, Br. 0'145 (Albertina-Sign.

 D. S. lV. 257, 258).

Drei der prächtigsten, in Wien befindlichen Scheibenrisse Daniel

Lindtmayefs aus den Jahren 1572, 1583 und 1590 sind Haendcke, wie

bisher in der Literatur überhaupt, unbekannt geblieben. Zwei derselben

sind in der Sammlung Hauslab-Liechtenstein"), der dritte im Besitze

des k. k. Oesterr. Museums für Kunst und Industrie.

Die Visirung aus dem Jahre 1572 (Sammlung Hauslab-Liechtenstein)

zeigt links einen Schlitzen in der Tracht der Landsknechte, mit der

Flinte nach rechts zielend. Als Seitenwehr trägt er Schwert und Dolch.

Nebeniihm steht ein leeres Wappenschild. Den Hintergrund bildet eine

V) Bnesehlin erwähnt dieselben bereits (a. a. O. p. I9) nach Notizen von Prof.

H. Bendel (Schaffhausen).

"j Ihre Benützung wurde mir durch den mit der Kaxalogisirung dieser Slmmiung

beschäfiiglen k. u. k. Cuslos Ed. Chmelurz in freundlichster Weise ermöglicht.
            
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