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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 4)

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also Sicherheit, rauchende Trümmerhauifen bezeichnen den Weg, den die 
Räuber genommen. Erst jene Herrscher, welche das Sachsenvolk dem 
nunmehr entstandenen Römisch-deutschen Reiche gab, haben Ruhe und 
Sicherheit geschaffen. Heinrich, der Finkler, hat zunächst seine Sachsen, 
dann auch die südlichen Stämme siegen gelehrt über die schnell herein- 
brechenden, schnell verschwindenden Schaaren der Barbaren. Er hat in 
seinem Lande Sachsen feste Burgen gebaut, überall für Zulluchtsorte der 
Bewohner hinter festen Mauern gesorgt: er hat die Kampfesweise der 
Deutschen derjenigen der Feinde angepasst. Die Einzelheiten gehören 
nicht hierher. 
Woher also sollten Künstler, wenn je von solchen im eigentlichen 
Sinne des Wortes gesprochen werden könnte, nach Sachsen geholt 
werden? Doch von den Rheingegenden nicht, auch nicht vom eigentlichen 
Lothringen, das ja eben auch verwüstet darniederlag, und noch dazu 
ausgebeutet war von Vasallen, die die reichen, ehemaligen Stiftsgüter 
entweder als Lohn ihrer Treue, oder als Beute ihrer Untreue in festen 
Besitz genommen hatten. Erst König Heinrich und sein Sohn Otto 
haben das an das westfränkische Reich schon fast verlorene Gebiet mit 
ihrem Reiche vereinigt, und erst Bruno, Otto d. Gr. Bruder, seit 953 
Erzbischof von Köln, hat die verwahrlosten kirchlichen Zustände geordnet. 
Von da an mochte man den Anflug von Kunstkeimen, wie die zarten 
Sprossen im ausgehauenen Walde, wieder ahnen. 
Nicht also aus diesen Gebieten drang in der Zeit des Altfried die 
Kunst nach Sachsen vor, umgekehrt vielmehr liegt die Sache richtig. 
Die Prachtbauten im Sachsenlande zu Gernrode, Gandersheim, Corvey, 
Essen haben auf die Wiederbelebung der Künste im Rheinland ein- 
gewirkt'). Warum auch hätte Otto d. Gr. zum Baue des Domes von 
Magdeburg sich Maurermeister aus der Lombardei geholt, wenn er sie 
am Rhein gehabt hätte? Warum hätte auch Otto lII., warum Bischof 
Balderich von Lüttich einen Maler Johannes aus der Lombardei kommen 
lassen? (Mon. Germ. SS. lV, 729. Vlll, 729.) Und noch Meinwerk von 
Paderborn hat einen italienischen Griechen als Baumeister. 
Aus den romanischen Ländern wurden Mönche und Maurer nach 
Deutschland geholt"); die h. Ida nimmt zum Baue von Herzfeld aus ihrer 
gallischen Heimat die Steinarbeiter mit; die Stifte Herford, Corvey sind 
Nachbilder französischer Klöster; noch 939 beruft Marksvidis nach dem 
Kloster Schildesche Zimmerleute, Maurer und Steinmetzen aus Franzien. 
Aber ganz besonders wichtig waren die Baumeister aus Como, weil 
vielleicht gerade bei den Langobarden sich eine von Byzanz weniger 
beeinflusste, an die reine Antike sich haltende Kunsttradition erhalten 
') Waltenbach, Deutschllndu Geschichlsquellen, l, 292. 
') Nach Jahrbb. des Vereine: von Alterthumsfreunden im Rheinlande, Heft LlIl. 
Bonn 1 87 3.
	        
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