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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 6)

w

des rmittleren Reiches: (11. bis 17. Dynastie) und alle bisher aus der Hyksos-Zeit an's

Tageslicht geschaffenen Bildtverke. Die weiten Säle und Hallen des alten Salamlik beher-_

bergen das uneue Reich-. Im Erdgeschosse sind_all' die größeren Stücke, Kolosse, Sarkophage,

 Stelen u. dgl. zu sehen. Die ältesten Zeugen der 18. Dynastie bilden für sich

eine Abtheilung; die saitische Epoche und die äthiopischen Denkmäler vom Barkal haben

ihre eigenen Sale. Als gesonderte Theile sind noch geplant ein griechisches, römisches,

koptisches und byzantinisches Museum, sie wurden aber noch nicht zusammengestellt.

ln den oberen Räumen des alten Salamliks sind die leichteren Gegenstände niedergelegt;

es gibt daselbst einen naturhistorischen, einen numismatischen, einen dem Cultus gewidmeten

 Saal. Aus ptolemaischer Epoche steht, im Mittelpunkte des letzteren, einzig in

ihrer Art, die behufs Orakelsprechung mit einem Triebwerke wersehene Aeskulap-Schlange,

 die, Grebaut im vergangenen Winter aus Oberagypten mitgebracht hat. Unzählige

 Gegenstände des Gewerbeßeißes und der Kunstindustrie sind in einer anderen

Reihe von Sälen schrankweise aufgestellt. Eine wahre Schatzkammer stellt derjenige Saal

vor, in welchem die Goldgeschmeide und die aus edlen Steinen und kunstvoller Emailarbeit

 hergestellten Schmucksachen aufgehauft liegen. Der nHaremu ist in seinen ausgedehnten

 Hallen, Stilen und Galerien von den Grabdenkrnälern und Mumien des neuen

Reiches und der griechisch-römischen Epochen in Anspruch genommen. ln dem großen

Mittelsaale des oberen Stockes, der nicht weniger als 900 Quadratmeter Flachenraum

darbietet, liegen die unvergleichlichen Künigsmumien, welche 1881 im Grabverstecke

von Der-el-babari aufgefunden wurden: Amosis, Sesostris, Thotmes, Amenophis und viele

andere der berühmtesten Herrschergestalten des neuen Reiches. Auf Befehl des Khedive

ist auch das Grabmal des französischen Alterthumsforschers Mariette, der das Museum

von Bulaq vor dreißig Jahren gründete und dessen Arbeit die werthvollsten Bestandtheile

 desselben zu verdanken sind, hinübergeschaßt worden. Der 14.000 Kilogr. wiegende

Sarkophag von schwarzem Marmor, in dem die Gebeine des verdienstvollen Mannes ruhen,

soll vor dem Eingange des neuen Museums aufgestellt werden.

Ausstellung. in diesem Sommer findet zu Hall in Tirol eine Ausstellung von

Antiken, Kunstgegenstanden und Erzeugnissen des Tiroler Kunstgewerbes statt. Auch die

Maler Defregger. Schmid, Gall und Wopfner haben zugesagt, an der Ausstellung sich

durch Einsendung von Bildern zu betheiligen. Die Ausstellung wird im Rathhause der

Stadt Hall stattfinden, das sehr gut aus alter Zeit erhalten und theilweise in glücklicher

Art restaurirt, mit seinem getäfelten Sitzungssaale und mit seinem alten Archive an sich

schon einen sehenswerthen Ausstellungsgegenstand zu bilden geeignet ist.

Ausgrabungen. Aus Athen wird gemeldet, dass die unter der Leitung der

britisch-archäologischen Schule vorgenommenen Ausgrabungen in Megalopolis, der nach

der Schlacht bei Leuktra auf Anrathen des Epaminondas als Bollwerk der Arkadier gegründeten

 Stadt im Peloponnes, einige interessante Entdeckungen zur Folge hatten.

Außer der Bloßlegung eines griechischen Theaters haben die Forscher in einem Tumulus

 einen kleinen cylinderförmigen Sarkophag aufgefunden, welcher Gebeine und zwei

Stücke eines goldenen Schmuckes, ähnlich den von Dr. Schliemann in Mykena und anderwarts

 entdeckten, birgt.

Spitzen der Königin Marie Antoinette. Der Conservator des Museums im

Schlosse Nottingham in England befindet sich im Besitze venezianischer Spitzen, die

von der Rohe herrühren, welche Königin Marie Antoiuette an ihrem Hochzeitstage getragen

 hat. Der historisch so merkwürdige Spitzenvolant hat eine Lange von 4. Metern

und ist 75 Centimeter breit. Das Muster, das vollständig in Handsticlterei hergestellt ist,

setzt sich aus Arahesken, Menschen- und Thiergestalten zusammen, zwischen welche das

Wappen der Königin und die Konigskrone eingefügt sind.

Die älteste Banknote. Kürzlich ist das Britische Museum in den Besitz einer

chinesischen Banknote gelangt, welche 300 Jahre früher von der kaiserlichenlMunze ausgegeben

 wurde, als das erste europäische Papiergeld aufkam. Die Note datirt aus dem

ersten oder einem der ersten Jahre der Regierung des ersten Kaisers der Ming-Dynastie.

Die Banknote ist alter als die erste europäische Bank, die 1401 gegründete Bank von

Barcelona. Drei Jahrhunderte trennen sie von der Bank von Stockholm, welche t668 die

ersten Banknoten in Europa ausgab. 124i hatte Kaiser Friedrich ll. bei der Belagerung

vonkFaenza gestempelte Lederstückchen schlagen lassen, das Vorbild der europäischen

Ban noten.

Für die Redacrion verantwortlich: J, Folaeriu und F. Riürr.

Sclbltverllg du k. k. Oulcrr. Mnieuml für Kunst und Industrie.

luchilrurlmrii von eul 0mm: Sohn in man.
            
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