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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 7)

Namen hinterlassen: er hieß Guntbald. Im Jahre Ion, lnd. viiij, hat er

das Evangeliar, das für S. Michael bestimmt war, vollendet. Diese Handschrift,

 welche Widmungsverse von Bernwardus enthält, stelle ich deshalb

voran, weil sie die Canones des heil. Hieronymus enthält, die in dem

sogenannten kostbaren Evangeliencodex des heil. Bernward fehlen. Aber

sonst ist es, namentlich in der Zeichnung des Purpurgrundes, weniger

reich ausgeschmückt als das Prachtwerk. Es trägt ,die Nr. 33 des gedruckten

 Kataloges. Nr. 18, der kostbare Evangeliencodex hat 17 Vollbilder,

 vier Initialien und mehrere Blätter in Zierschrift; seine Bilder

liegen mir in Heliotypie vor. Auf einem Bilde ist Bernwardns dargestellt

als Donator. Beißel hat (in dem Werke nDie Bilder der Handschrift des

Kaisers Otto im Münster zu Aachen", S. 35) die Bilder des Codex ausführlich

 beschrieben und verglichen. Der Maler kennt sehr alte Vorbilder,

aber er macht auch selbständige Versuche von Compositionen. Schon

kommt die Federzeichnung (gegenüber den byzantinisirenden Prachtbildern

 der Hofschulen) zur Geltung und alle Freiheit, die sie in der

Zeichnung bringt. Der hintere Deckel, gravirte aufgenagelte Silberarbeil,

ist von mir deshalb schon hier zu erwähnen, weil seine Darstellung,

Madonna mit dem Kinde, eigentlich doch nur die Wirkung einer Bleistiftzeichnung

 macht: Maria ist eine übermäßig lange Gestalt, ihr und des

Jesukindleins Kopf sind allzu klein. Der Zeichner hat wohl bemerkt,

dass byzantinische Gestalten sehr lang gestreckt sind, und war vielleicht

der Ansicht, dass hierin ein gewisses Mittel liege, die Bedeutung der Persönlichkeit

 hervorzuheben. Aber er hat auch hier nicht an das byzantinische

 Urbild sich gehalten, das er doch vor Augen hatte: er hat nicht

allein die Madonna mit einem Palmzweig als nRegina martyrumu, abweichend

 von seinem Vorbild, dargestellt, ja er hat auch die vier Buchstaben

 FP ÖTI, Meter Theü, welche bei byzantinischen Madonnen sich

finden, in folgender Weise verwendet: 2,3; das heißt: Ora pro rne virgo,

oder: Ora, Virgo, pro me!

Dass dieser Einband gewiss von S. Bernwardus stamme, beweisen

die Verse der Umschrift:

HOC OPVS EXIMIVM BERNWARDI PRIESVLIS ARTE

FACTVM CERNE DEVS, MATER ET ALMA TVA!

Das echt byzantinische Vorbild der Madonna, ein Elfenbeinrelief,

hatte der Goldschmied selbst eingefügt, und zwar auf dem Vorderdeckel

des Einbandes: Christus zwischen Johannes Bapt. und Maria, jede der

drei Personen auf eigenem Schemel stehend; lange Gestalten mit zu kleinen

Köpfen. Die Inschrift:

SlS PIA QVESO TVO BERNVVARDO TRINA POTESTAS

bezeichnet den heil. Bernward sicher nicht als Verfertiger der Elfenbeinplatte,

 sondern als Schenker des ganzen Werkes. Die Goldschmiedarbeit
            
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