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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 7)

ß

ll. Auch die Frescomalerei wurde von S. Bernward zu Hildesheim

 gepfiegt: Thancmar spricht von der Ausschmückung der Kirche mit

exquisita ac lucida pictura, so dass man sie für neu halten mochte. Die

Art und Weise wird wohl nicht weit von der der Oberzeller Fresken

auf der Reichenau abweichen, nur wird sie wahrscheinlich viel härter

und roher gewesen sein.

Ill. Doch nicht die Miniaturen und Wandmalereien sind es, durch

welche Bernward's Ruhm sich gründete, auch nicht die Bauten von

S. Michael und Heiningen, sondern die Metallarbeiten, die er

selbst oder seine Werkstätte geschaffen hat. Wir haben den Einband

des Codex Nr. 18 zu betrachten, der ja auf Bernward inschriftlich

zurückgeht. Vorderseite: Stark restaurirte Arbeit mit den gewöhnlichen

Motiven von Bucheinbänden: mitten sein byzantinisches Elfenbeinrelief.

Die ziemlich rohe Filigranarbeit erinnert unmittelbar an das Kreuz

von Heiningen. Der Grund für die geringe Feinheit der Filigrandrähte

dürfte wohl im Materiale liegen, denn dass Bernward sehr feine (gekerbte)

 Goldfiligranfäden zu erzeugen und in zierlichen Windungen

aufzulöthen gewusst habe, zeigt das berühmte Bernwardskreuz in der

Magdalenenkirche zu Hildesheim. Uebrigens befindet sich der Vorderdeckel,

 der eben die Filigranzier hat, in einem desperaten Zustande, und

sind wohl selbst die Medaillons mit den Evangelistensymbolen (vielleicht

mit einer Ausnahme) jüngeren Ursprungs. Die Edelsteinfassung ist hier

sehr einfach, blos eingestrichen. Als Edelstein wird auch der Quarz, ja

selbst das Glas behandelt. Einzelne Steine sind antike Cameen, auch

Gemmen.

Die Rückseite des Einbandes habe ich als Zeichnung schon gewürdigt;

 jetzt habe ich die Goldschmiedarbeit zu erwähnen. Der Schmuck

der Rückseite besteht aus dünnen silbernen Plättchen, welche aufgenagelt

sind. Das Bild der stehenden Madonna erscheint als von einem erhöhten

Rahmen umgeben. Derselbe enthält die Inschrift gravirt, die Striche sind

mit Niello ausgefüllt, so dass sie wie Bleistiftstriche auf der Platte stehen.

Nur der Grund, von dem die Buchstaben sich heben, das Unterkleid

der Madonna und ihr Attribut, sowie die Körpertheile an Mutter und

Kind wurden in Silberfarbe gelassen; alles Andere ist vergoldet. Die

Schräge vom Rahmen zur Bildfläche ist behandelt wie die anderen Theile,

das Rankenmuster scheint schon romanisch zu sein, so klar und einfach

ist es entwickelt; es hat unverkennbare Aehnlichkeit mit dern Muster an

der Unterplatte eines Tragaltars, den ich in meinem Werke v-Der Reliquienschatz

 des Hauses Braunschweig-Lüneburgu unter Nr. I5 beschreibe

und abbilden lasse. Dieser Rahmen umschließt ein stehendes Madonnenbild,

um eben von den vier Buchstaben e P und sechs Sternen und zwar

g A M 7

sind diese elf Stücke jedes separat auf einem dunkeln Seidenstoffe aufgestiftelt,

 so dass die Arbeit wie ausgeschnitten erscheint, als wäre
            
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