Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 12)

stand - zunächst Reimers in seinem weiter unten zu besprechenden Buche über Peter

Flötner - zu mehrfach abweichenden Ergebnissen gelangen, so kann doch die incunable

Bedeutung der Arbeit Lichtwark's dadurch nicht verringert werden. Sein Buch ist im

höchsten Grade lesenswerth nicht nur allein für den Fachmann, sondern für Jedermann,

es enthält eine Fülle von positiven Resultaten und Anregungen zu weiteren Untersuchungen

 und die methodische Forschung auf diesem Gebiete wird dem Verfasser für

die durch ihn geschatfene Grundlage stets zu Dank verpüichtet bleiben.

Das bereits erwahnte Buch von J. Reimers über Peter Flotner bringt in seinem

ersten und dritten Theile eine kritische Sichtung und ausführliche Beschreibung der

bisher bekannt gewordenen Originalzeichnungen und Holzschnitte des kunstreichen Nürnberger

 Meisters. In der zweiten Abiheilung bespricht der Verfasser, an Lichtwark's Werk

anknüpfend, die wesentlichsten ornamentalen Formen des I6. Jahrhunderts, deren Genesis

und Entwickelung. 93 Illustrationen erhoben noch den Werth des schonen Buches,

dessen sich jeder Freund der decorativen Kunst des 16. Jahrhunderts freuen wird. In

den biographischen Daten über Peter Flotner versucht Reimers vor Allern nachzuweisen,

dass das bisher angenommene Todesjahr des Meisters (1546) nicht richtig sei, sondern

dass dieser noch 1547 gelebt habe. Aus dem Tndtcngelauibuch von St. Sebald aber IMittheilungen

 aus dem german. Nationslmuscum ll, p. 278) geht mit: Bestimmtheit hervor,

dass aPeter Flettner Bildhauer am Spitzenpergu wirklich im Jahre 1546 gestorben ist.

Der Schlusssatz der Neudorfefschen Nachrichten iiber Peter Flotner Ilstarb 1546 den

2.3. Octoberi: dürfte demnach nicht, wie Reimers meint, von Andreas Gulden, sondern

noch von Neudorfer selbst beigefügt worden sein. Der Ansicht I..ichtwark's, dass Flbtner

Italien gewiss mit eigenen Augen gesehen habe, tritt Reimers mit dem unumstoßlichen

Nachweis entgegen, dass die italienischen EinHüsse in den Arbeiten Peter Flotner's au!

illustrirte italienische Druckwerke, vor Allem auf den Polifilo, dann den Comasker Vitruv

und Serlio's Architekturwerk zurückzuführen sind. Den Antheil Flotner's an dessen sogen.

IKunstbuchu, der t549 bei dem Formschneider Rudolf Wyssenbach zu Zürich erschienenen

 Arabeskenfolge - diese Arabesken wurden bekanntlich auch in dem 1559 bei

Gessner in Zürich erschienenen Werke: nlmperatorum romanorum. . . irnsginesv als

Zierstücke verwendet - beschrankt Reimers auf die der Folge vorangestellte, bezeichnete

und 1546 datirte Grotteske und zwei Dolchscheiden. Reimers gelangt durch seine Untersuchung

 zu dem Schlusse, dass die genannte Folge überhaupt nicht ein ursprünglich zusammengehoriges,

 von einem Künstler geschaiienes Werk ist, sondern dass Wyssenbach

Blltter verschiedener Künstler copirte, variirte und dieselben dann mit eigenen Erfindungen

vermehrt als Folge drucken ließ. Die Tliatsache, dass Flötner in seinen beglaubigten Arbeiten

 von der Arabeske fast gar keinen Gebrauch macht, ist allerdings sehr geeignet,

die Darlegung Reimers' zu unterstützen, wenn auch die Adresse des Rudolf Wyssenbach

auf dem Schlussblatie der Folge als deren Verleger allein noch nicht hinreichend sein

kann, ihn auch als den Künstler derselben zu betrachten.

Die Vermuihung Reimers, dass die Initialen BV auf der Kanne Flotnefs (S. 46,

Fig. 33) splterer Zusatz seien, ist richtig. Die Ornamentstichsammlung des k. k. Oesterr.

Museums iür Kunst und Industrie hat kürzlich ein prächtiges Exemplar dieses Holzschnittes

 erworben, auf welchem die Buchstaben B V nicht erscheinen. Das Blatt ist

nur mit Klüpfel und Meillel und den Initialen Flötner's bezeichnet. Damit ergänzt

sich auch die Note 4 auf Seite 114, nach welcher es dem Verfasser seinerzeit nicht

möglich wurde, einen Originaldruck dieses Holzschnittes nachzuweisen.

Auf Seite 49 vermuthet Reimers, in dem Nürnberger Goldschmied Jacob Hofmann

den Meister der Gelsßfolge von t55t entdeckt zu haben, und er bringt Flotner mit dieser

Gefäßfolge insoferne in Zusammenhang, als er meint, dass Jacob Hofmann unter Benutzung

der von ihm erworbenen Arbeiten Fl0tncr's der Herausgeber des uNeuen Kunstbuchesvon

 1551 sei. Wie Reimers selbst zugeben muss, erhebt sich diese Anschauung über das

Verhlltniss Peter Flotncr's und Jacob Hofmann's zu dem nMeister von 1551- nicht über

den Werth einer Vermuthung, und der Referent ist der Ansicht, dass Mathias Zundt,

dessen Thütigkeit alsBildschnitzer und Goldschmied in Verbindung mit Wenzel

Jamnitzer durch D. Schonherr in den Mittheilungen des Instituts für Osterr. Geschichtsforschung

 IX, a nachgewiesen ist, der Herausgabe des Kunstbuches von 1551 weit

naher stehe, als Peter Flotner und Jacob Hofmann.

Schließlich eine Bemerkung zu Seite 91. Reimers spricht daselbst über die Verweudung

 der Araheske in Frankreich und meint, dass die GefaBe von Oiron. oder wie

sie nunmehr (Bonnaiie in der Gazette des beaux-arts 1838, I, 313) genannt werden: die

Faiencen von Saint-Porchaire, gewiss mit die Veranlassung gewesen seien, dieses Ornament

 in Frankreich in so ausgedehntem Maße als Buchschmuck zu verwenden. Dass

das Umgekehrte der Fall ist, indem die Flachenornamente der genannten Gefäße mit

Buchbinderfileten aufgedruckt wurden, hat Bruno Bucher im Vereine mit Hans Macht

bereits im Jahre 1879 in den lMillhCiillngED des k. k. Oesterr. Museums für Kunst

und Industrien (p. 225 E.) überzeugend dargethan. R-r.

Jahrg. 1890. so
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.