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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 12)

Abschluss, und tragen so dazu bei, dem Platze eine friedliche, äußerst

wohltbuende Stimmung zu geben.

Schon hier begegnen uns Kunstwerke aus so verschiedenen Zeiten,

und vertragen sich so gut, dass man den Eifer mancher Restauratoren

nicht begreift, die etwas Großes zu leisten glauben, wenn sie z. B. gute

Renaissance-Altäre in mittelalterlichen Kirchen durch neue pseudogothische

Arbeiten verdrängen. Zwei in die Mauer des Durchganges eingelassene

Platten, Ritter als Ueberwinder von Löwen und Drachen darstellend (von

Romantikern auf die Siegfriedssage bezogen und als Ueberreste der alten

Burg Xanten angesehen, von Beißel als die Heiligen Victor und Gereon

gedeutet), gehören der Frühzeit der romanischen Kunst an, während fünf

Gruppen, Stationsbilder, die Verschmelzung der Gothik mit dem neuen

Stil zeigen. Reichthum der Compositionen, Bewegtheit und Ruhe, scharfe

und doch nicht übertriebene Charakteristik und Sinn für naturwahre

und edle Form weisen diesen Bildwerken einen hohen Rang an. Die

Umrissabbildungen bei Aus'm Weerth (Kunstdenkmäler Il.), so dankenswerth

 sie sind, können nur eine unvollkommene Vorstellung geben.

Oelberg, Verspottung Christi, Grablegung und Auferstehung sind in

Nischen der Kirchenmauer aufgestellt, die Kreuzigung (die Seelen der

Schächer werden von einem Kinde und einem Teufel in Empfang genommen)

 steht frei, vor ihr das Grab des Canonicus Gerhard Berendonck,

der die fünf Bilder in den Jahren 1525 bis 1536 anfertigen ließ. Durch

wen? das ist leider bisher nicht zu ermitteln gewesen. Von Interesse

ist, dass um jene Zeit Bildhauerarbeiten für Xanten aus Calcar (Meister

Heinrich von Holt und Meister Arnold von Tricht), Cleve (Andreas

Holthuys) und Wesel gekommen sind.

An diese Sculpturen klingen einige Epitaphien an in der langen

Reihe solcher Tafeln in dem, ebenfalls gegen die Mitte des sechzehnten

Jahrhunderts gebauten, Kreuzgange. Die Mehrzahl versetzt uns bereits in

die volle Renaissance (bis in die Barockzeit hinein), während das hohe,

reichgegliederte, von der Zeit stark mitgenommene Kreuz in der Mitte

des grünen Platzes noch in spätgothischen Formen gehalten ist. Mir fiel

auf, dass an zwei besonders anmuthvollen Mariengestalten der Grabdenkmäler

 das ganze Gesicht förmlich heruntergeschlagen ist, so dass man an

absichtliche Verstümrnelung glauben möchte.

Wer durch das prächtige Südportul die Kirche selbst betritt, wird

wohl thun, sich sofort gegen Osten zu wenden, denn das große Westfenster,

 das nach Außen das Schiff kräftig betont (im Gegensatz zur

Westfassade des Kölner Doms, an der die Thürme den eigentlichen

Körper des Baues gleichsam zusammenpressen), ist mit neuer Glasmalerei

gefüllt, die mit ihren süßen, theils schreienden Farben die Harmonie des

Innern stört. Freilich, wo bleiben uns in restaurirten Kirchen ähnliche

Eindrücke erspart! Auch in Xanten wirkt der Abstand um so peinlicher,

als noch Reste schöner alter Fenster erhalten sind, von denen einige als
            
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