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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 12)

Arbeiten ihrer Art gehören. Seit länger als drei Jahrhunderten hängen 
sie an ihrem Platze; die verschiedenen Gattungen von Räubern, die sich 
im Laufe dieser Zeit an den Besitzthümern vergriEen haben, müssen den 
Werth dieser Bildteppiche glücklicherweise nicht zu schätzen gewusst 
haben. nur die Sonne hat die Farbenpracht der auf der Nordseite des 
Chors angebrachten geschädigt. 
Diese Teppiche bilden zwei Gruppen. In der ersten sind die Drei- 
einigkeit und 13 Heilige in großen Einzelfiguren dargestellt, und zwar 
auf vier Teppichen je drei Gestalten, auf zweien je eine; einer von den 
großen weist die Jahreszahl 1520 auf, und andere lnschriften besagen, 
dass sie von Brüdern gestiftet worden sind, die das Bastunium erhalten 
hatten. Es war nämlich, wie wir von Beißel erfahren, in Xanten Sitte, 
Canonikern einen längeren Reiseurlaub, zum Besuche einer Hochschule, 
zu einer Wallfahrt oder dergl. zu erlheilen, ohne dass sie während der 
Zeit an ihren Einkünften verkürzt wurden. Die Erlaubnisshieß bastunium, 
von baston, Wanderstab, und der betreffende Canoniker bustunarius. Er 
wurde zur Erinnerung an die heiligen drei Könige mit einer Krone ge- 
schmückt und unter Vortragung eines Sternes auf den Ehrenplatz neben 
den Propst geführt, dann musste er den Canonikern ein Fest geben und 
bei der Rückkehr der Kirche wenigstens eine Chorkappe im Werthe 
von 30, später 50 rheinischen Goldgulden verehren. - Mehrere dieser 
Gestalten sind von hoher Schönheit, so namentlich die Jungfrau in der 
Glorie, Maria Magdalena, Petrus, Victor, Gereon, Nicolaus; Cassius, die 
reichen Trachten der Zeit sind mit größter Treue wiedergegeben. Was 
aber die Wirkung der Bilder besonders erhöht, ist, dass die Figuren von 
dem mit Laubwerk gefüllten Grunde durch starke schwarze Umrisslinien 
abgehoben werden; sie treten dadurch so kräftig hervor, wie die Hei- 
ligengestalten in alten Glasfenstern. 
Die zweite Gruppe umfasst vier Teppiche, die breiter als hoch sind 
und iigurenreiche Darstellungen bringen. Zwei davon tragen die Inschrift 
Dit tappiits gheeft heer Adolf van Wielick 1574, und sie bilden Seiten- 
stücke. ln reicher, perspectivisch behandelter Architektur, oben und unten 
von Wappenfriesen, auf den Seiten von musicirenden Frauen unter Bal- 
dachinen eingerahmt, zeigen sich auf dem einen David und Abigail, auf 
dem andern Ashasver und Esther, der zwei Mädchen die lange Schleppe 
tragen; der unglückliche Haman ist durch eine höchst verzwickte Arm- 
bewegung als Ankläger gekennzeichnet. Der dritte Teppich zeigt wieder 
auf Verdurengrund mit Säulenstellung Maria in der Glorie und Heilige, 
der vierte die Anbetung der Könige, links Victor, rechts Helene; hinter 
der Jungfrau hängt ein Wandteppich mit Salomo und der Königin von 
Saba, daneben eine Schrifttafel; am unteren Ende befindet sich die Wid- 
mung eines Casparus ab. . . (den weiteren Namen konnte ich nicht ent-_ 
zilTern). - Dass in der ganzen Gegend, auch in Westphalen, die An- 
betung der Könige oder Weisen so häufig gemalt und geschnitzt worden
	        

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