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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 1)

so vielfach von der Kreuzung der Fäden abhängt, und daher Blumen

und Thiere, die der Arbeiter so naturtreu als möglich wiederzugeben

bemüht ist, in der Hauptsache immer dieselbe vvstilisirteß Gestalt erhalten.

Ebenso dürfen wir annehmen, dass in den Anfangszeiten keramischer

Kunst niemals die Absicht der Stilisirung bestanden hat, sondern dass

das, was wir so nennen, ein Erzeugniss der Unzulänglichkeit der Mittel

und der Ungeübtheit der Hand war. Der ungeschulte Hafner auf dem

Dorfe erfindet sozusagen noch heute dieselben geraden und Wellenlinien,

 das Zickzackornament, die aus Tupfen zusammengesetzten Blumen

u. s. w., denen wir z. B. an den frühesten Producten der Griechen, der

Pfahlbauzeit, der Urbewohner Amerikas und Oceaniens begegnen. Ja

selbst noch an griechischen Vasen des strengen Stils erklärt sich das

Anbringen eines aufstrebenden oder hängenden Ornaments an den verschiedenen

 Theilen eines Gefäßes so leicht aus der durch die Neigung

der Flächen bedingten Handhabung des Pinsels, dass wir nicht immer

anzunehmen brauchen, der Maler sei dabei schon einem Stilgesetze gefolgt,

 das wohl umgekehrt erst an solchen Sachen zum Bewusstsein

gekommen sein dürfte. Auf einem anderen Gebiete mag daran erinnert

werden, dass elliptische, der Linsenform sich nähernde gravirte Kreise

an Eisenarbeiten als ein specihsch fränkisches Ornament gedeutet worden

sind, während diese Form bei dem Arbeiten mit dem Stichel auf Metall

sehr leicht entsteht, wenn aus freier Hand ein Kreis gemacht werden soll.

Endlich erscheint es als sehr möglich, dass die Combination, die in der

irischen Miniaturmalerei vGeriemselu genannt wird, und ihre Verwandten

bei den Chinesen, den Skandinaviern, den Neuseeländern findet, thatsächlich

 aus dem Riemenfiechtwerk hervorgegangen sei.

Die obengenannten Gefäße aus Toust im Tarnopoler Kreise sind

aus gewöhnlichem rothen Töpferthon auf der Drehscheibe hergestellt.

Die Glasur geht von gelblichem Weiß durch verschiedene Abstufungen

der Lederfarbe bis zu tiefem Nussbraun; nur ausnahmsweis kommt Aschgrau

 vor. Weiß, Gelb und Braun sind auch fast ausschließlich für den

Decor benutzt, nur sehr selten Kupfergrlin und Blau, und zwar meistens

in einer Weise, die Höhung genannt werden könnte. An den Schüsseln

ist die auffallendste Decoration eine an die heraldische Lilie erinnernde

Verbindung von drei länglichen, zugespitzten Blättern. Es kann sein, dass"

dem Verfertiger die Florentiner oder die bourbonische Lilie vorgeschwebt

hat, aber ebenso gut, dass er unabhängig darauf verfallen ist, da er auch

vier solche Blätter in Kreuzstellung, oder zwei mit Blütben dazwischen

anwendet. Alle Blätter und Blumen aber, wie der ganze übrige Decor,

sind aus zwei Elementen gebildet, runden Tupfen und concentrischen

Linien oder eigentlich Spiralen.

So weit bieten die Sachen nichts Originelles, es wäre denn in der

Art, wie sehr häufig die runden Tupfen zu langen oder zackigen Blüthenblättern

 ausgezogen, und aus ihnen Kränze, Zweige u. A. m. gebildet
            
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