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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 1)

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worden sind. Schon damit ist eine außerordentliche Mannigfaltigkeit erreicht.

 Das eigenthümlichste Gepräge aber verleihtdiesen Gefäßen eine

Art der Musterung, die an altägyptischej-Salbenfläschchen mit Schuppen-,

Zacken- und Farrnmuster und an das sogenannte Kamm-Marmorpapier

erinnert. Bei dem letztern besteht bekanntlich das Verfahren darin, dass

Farben, die auf eine zähflüssige Unterlage (schleimige Traganthlösung)

vaufgespritzt sind, mit einem Stäbchen oder kammartigen Werkzeug so

durcheinander gezogen werden, dass sie eine unregelmäßige Schuppenzeichnung

 bilden, die dann auf den darauf gelegten Papierbogen sich

überträgt. Auf ähnliche Art wird das Muster auf den Gefäßen hergestellt,

das der Kürze halber wohl Kammornament genannt werden kann.

Auf das glasirte Stück wird während des Umlaufes.der Scheibe eine

Spirale gemalt, entweder fein und dicht aneinander, oder breiter und in

weiteren Abständen; die flüssige Erdfarbe hat auf der glatten Unterlage

das Bestreben sich zu senken, der Arbeiter aber führt sie vermittelst

eines Drahtes wieder aufwärts, dem Rande zu, so dass sich Wellenlinien

oder Schuppen- oder Zacken- oder Farrnmuster bilden. Reicher wird die

Zeichnung, wenn für die Linien verschiedene Farben nebeneinander zur

Anwendung kommen. Auf dieselbe Art entstehen aus den runden Tupfen

die langgezogenen Tropfen, die Verbindung solcher zu Palmzweigen oder

die nach oben in Zacken auslaufenden Blätter.

Das Zeichnen mit dem Draht wird auch während der Drehung der

Scheibe ausgeführt, und zwar in der größten Schnelligkeit, so dass die

Decoration einer kleinen Schale kaum Minuten in Anspruch nimmt.

Dadurch ist eine ganz regelmäßige Zeichnung ausgeschlossen, ja der

Arbeiter wäre außer Stande, zwei ganz gleiche Stücke herzustellen, wenn

er auch wollte. Und gerade darin liegt natürlich ein großer Reiz, der

Reiz der Handarbeit, die in jedem Stück ein Original schafft, derselbe

Reiz, der den japanischen Erzeugnissen verliehen ist.

Ohne unmittelbares Eingreifen des Arbeiters entstehen aus den

runden Tupfen eckige Figuren, wenn er sie so nahe aneinandersetzt, dass

sie einander berühren und durch entgegengesetztes Vordringen die runden

Umrisslinien in gerade verwandeln.

Wer die fertigen Stücke betrachtet, ohne den Process der Decoration

zu kennen, würde glauben, Zeichnungen vor sich zu sehen, die mit sorgfältigster

 Berechnung entworfen und höchst mühsam ausgeführt seien.

ln der That aber spielen die natürlichen Eigenschaften der Decorationsrnittel

 und der Zufall in der jedesmaligeu Handbewegung eine entscheidende

 Rolle bei dem Entstehen der stets neuen Combinationen. Und

eben dies gilt ohne Zweifel für viele kunstgewerbliche Erzeugnisse auch

aus früheren Zeiten. B.
            
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