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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 4)

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führen. Die Bezeichnungen Idealismus, Realismus, Naturalismus gehen sowohl, auf den

514,5", als auf die äußere und innere Form und es kann der Fall sein, dass ein Künstler

in der Stoifwahl Idealist, in der inneren Form Realist genannt werden muss. Lionardo

und Uhde sind bei der KVahI des heil. Abendrnahls Idealisten, Ersterer ist es} auch in

Hinsicht der inneren Form, er erhebt die Figuren über die gemeine Wirklichkeit; Uhde

ist hierin zum Mindesten Realist, er sucht die Wirklichkeit zu geben. wie sie thatsachlich

ist, gewesen sein mag. Der consequente Naturalismus verhalt sich zur inneren Kunstform

ablehnend: er sucht das Einzelne wie es ist, losgelöst von allem Uebrigen, das Wirkliche,

 aber nicht wie es wirkt, das Seiende ohne alle Beziehung auf das Werden und den

Zusammenhang alles Seienden, nicht das Gesetz, sondern das Gesetzte. Dadurch macht

der Naturalismus den Eindruck des willkürlichen, Regellosen, Zufalligen, er kennt auch

keinen Unterschied zwischen schon und hässlich, Alles ist ihm gleich werthvoll, den

Einfluss der Phantasie bekämpft er, weil sie ihm das Vllirklichkeitsbild störe, dass es

eine werthmessende Instanz gibt, den Geschmack, leugnet er. Der Idealismus hat Gea

danken, der consequente Naturalismus ist gedankenlos; dieser hegt keine Neugier nach

dem Woher und Wohin, auch jener ist nicht eigentlich neugierig, sondern befriedigte

Neugier, insoferne er sich vermisst, das Ziel erkannt zu haben, nach welchem alles

Werden drängt, dem zu Liebe alles Gewordene ist. Der Idealismus begnügt sich nicht

mit der Natur, er erkennt das Recht der freischaffenden Phantasie an und auch den absoluten

 Maßstab des Geschmackes. Aber der consequente Idealismus macht die Kunst

schließlich schematisch, er nimmt den sinnfalligen Erscheinungen das individuelle Leben

und haucht ihm allgemeine Gedanken ein, die volle runde Realität entschlüpft ihm, er

sucht die Regel', nicht den besonderen Fall der Anwendung. Der moderne Naturalismus,

der aber, recht betrachtet, kein consequenter in obigem Sinne ist, ist der Uebertreibungen

voll, wie jede revolutionäre Bewegung sich stürmisch gegen die Ueberlieferung auflehnt, aber

man darf seine reformatorische Bedeutung nicht verkennen. Das Verdienst des litterarischen

Naturalismus liegt in der Bereicherung des Stolfgebietes, das des malerischen Naturalismus,

 des Impressionismus und der PIein-air-Malerei im Technischen. Zola erinnert

sich wieder des Taine'schen Satzes: nln der exacten Reproduction besteht das Wesen

der Kunst nichtr, man fangt wieder an zu wählen (im Gegensatze zum ideologischen

Naturalismus), man sucht das Wesentliche, Charakteristische (im Gegensatze zum ideologischen

 Idealismus), aus dem skandinavischen Norden ertönt der Ruf nach nein bischen

Romantik: und es tritt eine neue Lehre auf unter dem Zeichen des nNeu-Idealismusn.

Worin besteht nun die wahre Aufgabe der Kunst, der höchste kunstmaßige Stil,

wenn der Naturalismus die Berechtigung der inneren Form und Werthunterschiede überhaupt,

 mit Unrecht, leugnet, der Idealismus hinwiederum im Uebermalie der inneren

Form das Gegenstandlich-Lebensvolle ertodtet? Die Aufgabe der Kunst besteht in der

Darstellung des Allgemeinen am Besonderen; es soll das Gesetz, das hinter

allem Einzelnen steht, an ihm wirksam und lebensvoll aufgewiesen werden. Die Kunst

kann der Natur nicht entbehren, aber sie kann sie nicht brauchen, wie sie sie ündet.

Das Einzelne ist gemein; interessant und werthvoll wird es nur, wenn aus ihm ein allgemeines

 Gesetz hervortritt, wenn es mit einer Mehrzahl in Beziehung gesetzt, von einem

Dahinterstehenden abgehoben wird, wenn es im Geiste des Genießenden eine Reihe, eine

ganze Classe verwandter Erscheinungen auftauchen lasst. Die Bedeutung solcher Darstellung

 liegt im höheren Werthe der Fülle und Mannigfaltigkeit und Tiefe, welche die

Natur nirgends bietet. Dieses Allgemeine am Besonderen herausarbeiten heißt aber das

Typische erfassen. Der wahren Kunst ist das Schone nicht wreines Wasser das nach

nichts schmeckt: wie WinckelmannJ die Kunst ist nicht Ientbehrliches Vergnügenc, wie

Lessing behauptet; sie liefert in gewissem Sinne Erkenntnisa und mit Recht hat Goethe

im Hinblicke auf sie das neue Wort nbedeutendc geschaffen, denn sie hat das Weltganze

deuten zu helfen. Einen bedeutenden typisch-realistischen Stil zeigt die antike Plastik.

Michel-Angelo, Rembrandt, Shakespeare, der spätere Goethe. Die Kunst tritt in diesem

Sinne ergänzend neben die Wissenschaft, sie liefert aber mehr als diese, denn sie hat

den Makroltosmos im Mikrokosmos zu spiegeln, in ästhetisch werthvoller Form. Sie ist

aus dem Menschen und für ihn gesehalfen, sie hat in ihr Bereich Alles zu ziehen was

ihn bewegt; die Kunst muss national sein, sie hat aber auch eine sociale Sendung zu

erfüllen. Dann wird sie auch wieder, wie in der Antike, Gemeingut des ganzen Volkes sein.

- Am g. und tz. Februar sprach Director Dr. A. Ilg über :Die Geschichte des

Baues der kaiserl. Wiener Hofburg seit Fischer v. Erlachu.

Der Vortragende begann mit einer kurzen Besprechung der ersten Fürstenburg,

welche vAm Hof: bestand, ungefähr auf der Area zwischen dem Palais der ,Nuntiatur

und der Bognergasse. Es existiren keinerlei bildliche Darstellungen über die bauliche

Construction und die Ausschmückung der Innenraume dieser Burg. Mit der Zeit benahmen

bür erliche Wohn- und industrielle Erzeugungsstatten der Burg nAm Hof: Licht und

Lut und es entstand für die Fürsten die Nothwendigkelt, aus der Mitte der Stadt an die
            
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