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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 4)

Häusern die Vorliebe für das Porzellan mehr als je um sich gegriffen,

zu einer wahren Leidenschaft geworden war.

Das Porzellan ist bekanntlich eine chinesische Erfindung. lm io. Jahrhundert

 hatten arabische Reisende zuerst Kunde gebracht von dem merkwürdigen

 Geschirre China's, das sich durch seine weiße, glasig dichte,

durchscheinende Masse, den h arten, nicht ritzbaren glasigen Ueberzug

so von allen Thongeschirren, die Europa bis dahin producirt hatte, unterschied,

 dass man sich anfänglich die stoifliche Natur desselben gar nicht

zu deuten vermochte. '

Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts waren nur vereinzelte Stücke

nach Europa gelangt, später vermittelte der Handel über Arabien nähere

Kenntniss, bis mit der Entdeckung des Seeweges nach Indien der Osten

Asiens näher gerückt war und nun das chinesische und später das japanische

 Porzellan - ein Sprössling des ersteren - mit zu den wichtigsten

 Handelsartikeln des portugiesisch-holländischen Seeverkehres mit

Indien und China wurden; denn mit den importirten Mengen wuchs die

Zahl der Käufer, Sammler und Liebhaber desselben. Der immense Gewinn,

 den dieser Handel brachte, die hohe Bewerthung, die das Porzellan

fand, musste bald für findige Köpfe, strebsame Töpfer allerorten ein

mächtiger Ansporn werden zu Versuchen, hinter das Geheimniss der

chinesischen Porzellanbereitung zu kommen.

Und nun ging in der That ein wahres Porzellanfieber durch alle

Töpferwerkstätten Eur0pa's, und wohl jede Adeptenküche trieb neben

ihren chemischen Forschungen auch ein bischen Porzellanversuche - ein

mehr oder weniger blindes Tappen und Tasten, so lange man keine

sicheren Anhaltspunkte, keine Kenntniss von den Grundstoffen hatte, die

in China zu dem so hochgeschätzten Producte verarbeitet wurden.

Als dann die erste sichere Meldung eintraf, zwei Minerale seien es,

aus denen die Chinesen ihr Porzellan bereiten: Kaolin, eine weiße Erde,

und Petuntse, ein glasiger Stein - da gab es unter den Suchern und

Versuchern in Europa wohl genug der Entmuthigten, die von weiterem

Laboriren ablieBen.

Also in keiner künstlichen Mischung, wie beim Glase, sondern in

zwei ganz fremden Rohmaterialien lag das Geheimniss: Kaolin und Petuntse!

 Ohne diese ging es nicht!

Die Ausharrenden und Weisen waren aber damit auf die rechte

Bahn gelenkt - diese selben zwei Rohstoße mussten auch bei uns aufgesucht

 und in Anwendung gebracht werden. Bekanntlich gelang dies

1709 dem Dresdener Alchymisten Böttger, der in der weißen Erde von

Aue im Erzgebirge den vielgesuchten Kaolin erkannte und in Combination

 mit dem Minerale Feldspat, in welchem man den chinesischen

Petuntse wieder erkannt hatte, das erste, dem chinesischen wesentlich

gleiche, weiße Porzellan zu Stande brachte.

5.
            
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