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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 151)

i?

genannt werden können, indem er mehrere Jahre hindurch nicht nur alle mineralischen

Substanzen und Erdarten sammelte, die das Land für seine Zwecke darbot, sondern

auf seine Kosten ein Fahrzeug nach China und Japan sandte, sowohl um mehrere junge

Leute mit dem Verfahren bei der Fabrication bekannt zu machen als um Materialien herbeizuschatfen.

 Aus Sachsen liess er einen Chemiker und Maler sowie Arbeiter kommen,

denen er einen toscanischen Bildhauer von Talent im Componiren. von Figuren und

Gruppen beigesellte. So entstand die Porcellanfabrik, welche der Localität reges Leben

verlieh und unter dem Sohne des Begründers grossen Aufschwung nahm, während sie,

obgleich von den wechselnden Geschicken des Landes und des Gewerbßeisses nicht unberührt,

 bis zu unseren Zeiten nicht geringe Bedeutung bewahrte. Die grösste Thätigkeit

entfaltete sie jedoch unter dem nun verstorbenen Besitzer, der im Jahre 1848 die Leitung

übernahm und der Production eine entschieden künstlerische Richtung gab, welche sie

zeitweilig im vorigen Jahrhundert verfolgt, später aber grossentheils verlassen hatte, um

sich ausschliesslich dem Bedurfniss des täglichen Lebens zu widmen. Zwei Kunstzweige

sind es namentlich gewesen, deren Fliege hier mit Gewandtheit und Glück versucht

wurde. Diese waren die Porcellane mit farbigen Reliefs, wie die vormalige kbnigl. neapolitaniache

 Mmufactur von Cepodimonte sie lieferte, und die Maioliku, wie sie im

15. und I6. Jahrhundert aus den Werkstätten von Faenza, Urbino, Casteldurante, Gubbio

u. a. hervorgingen. Die seit drei Decennien unendlich gesteigerte Nachfrage nach den

alten längere Zeit hindurch ziemlich vernachlässigten Majoliken und die colossalen mit

der Zeit für dieselben gezahlten Preise hatten einen hier wohnhaften industriellen Neapolitaner

 zum Versuch einer Nachahmung dieser Gattung bewogen. Man begann damit

zu Doccia im Jahre 1848, und nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten gelang die

Nachahmung in verhaltnissmässig kurzer Zeit in dem Masse, dass die geübtesten Kenner

getäuscht und manches moderne Werk als alt auf den Markt gebracht wurde. Dem Eigenthumer

 der Manufactur musste jedoch begreiflicherweise daran liegen nicht zu einer fortgesetzten

 Täuschung die Hand zu bieten, und so gaben die Imitationen sich aus für das

was sie waren, erzielten Preismedaillen und Ordensdecorationen auf den Weltausstellungen

von London bis Wien, und verschafften dem Ginori'schen Etablissement in allen Lindern

verdienten Ruf. Die hohen Preise dieser reichen Relielporcellane und Majoliken mussten

freilich deren Absatz beschränken. Als dann die immense Erleichterung der Handelswege,

die Veränderungen im Zollwesen und die ausserhalb Italiens nicht nur, sondern auch in

einzelnen Theilen des Landes, z. B. in der Romagna, der alten Heimat der Majoliken,

gesteigerte Concurrenz dazu kamen, hat die toscanische Manufactur eine Art Krisis zu

bestehen gehabt. Sie hat dieselbe überwunden, indem sie durch ansehnliche Erweiterung

und Vervollkommnung des im eigentlichen Sinn industriellen Theiles für die Forderung

des artistischen günstigere Chancen schuf. Neben den Malereien auf Porcellanplattenvden

grossen Vasen, den Figuren und Gruppen in Bisquit, den Majoliken, den Nachahmungen

der einheimischen Arbeiten in verglaster Erde aus der Schule der Della Robbia und jener

der feinen chinesisch-japanischen Porcellane. liefert die Fabrik von Doccia alle Arten von

Porcellan- und Tbpferwaaren fur den Hausbedarf, deren Gute und Preise jede Concurrenz

aushalten. Aus dieser Fabrik ist eine wahre Colonie entstanden. Den OlTcinen und Magazinen

 aller Art, wie den Arbeiterwohnungen, hat sich ein aus fünf grossen Sälen bestehendes

 historisches Museum angereiht, welches eine interessante Uebersicht der Geschichte

der Industrie gewahrt. Für Unterricht und Unterhaltung der zahlrü-"än Arbeiter verschiedener

 Classen ist durch Schule, Zeichenschule, Musikcirkel, "fisyhmmlungsort fur

Feierstunden, Bibliothek u. s. w. esorgt. Dem Eigenthomer diese Jssen Anstalt, auf

dessen Gesundheit die Sorge um ieselbe von un stigem Einfluss lewesen war, stand

seit Jahren sein altester Sohn zur Seite, wie er eute an der Spitze "liebt, nachdem der

Vater auf demselben Landsitze zu Doccia, welcher der Schauplatz seine fruchtbaren Tim-igkeit

 gewesen, langwierigem traurigem Leiden erlegen ist, kaum einige Tage vor seinem

Schwager, dem F ursten Strozzi, der ihm siebenundfunfzigjahrig gefolgt ist. (A. A. Z.)

(Ralph Nioholaon Wornum 1'.) Am I5. Dezember v. J. starb zu London der

bekannte Kunstschriftsteller Ralph Nicholson Wornum. Er war 1812 in der GrafschaR

Durham eboren und bekleidete zuletzt das Amt eines Custos und Secretars an der National

 Gaflery.

(Bildhaaerpreiae In Paris.) Der Bildhauer Clesinger hat von dem französischen

Senate den Auftrag erhalten, eine Colossalstatue der Republik zu modelliren, die in Bronze

gegossen und auf dem Trocadero-Platze, gegenüber der Jena-Brücke, in Paris aufgestellt

wird. Zwanzigtausend Francs erhielt der Künstler für das Modell, und der Erzgiesser

Teisserenc de Bort bekommt die Hälfte dieser Summe fur den Guss.

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