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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 138)

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Handel, weil diese von den indischen Fürsten aufgekauft wurden. Da entdeckte ein Rei- 
sender im Jahre 1727 in Brasilien einen Diamantenfundort und die Folge davon war, dass 
der Preis eines Karats auf g tl. herabsank. In Brasilien entstand ein solches Diamanten- 
fieber, dass der Ackerbau vernachlässigt wurde und die Regierung sich schliesslich ge- 
ndthigt sah, das Diamantengraben zum Monopol zu machen. Genau so ging es auch mit 
den t867 entdeckten Diarnantenfeldern am Oraniefluss im Capland. So lange die dort an- 
sässigen holländischen Bauern das Diamantensuchen betrieben, ging es noch ganz gut. 
Als aber immer mehr Fremde kamen und überdies die Diamanten in Folge der reichen 
Ausbeute um ein Bedeutendes im Preise sanken, da wurde die Scene sehr ungetnüthlich. 
im Jahre i87i annectirte darum England das ganze Gebiet. Wie anfangs den brasiliani- 
schen Diamanten, so brachte man auch den Capsteinen viel Misstrauen entgegen. In letzter 
Zeit verbreitete sich die Nachricht, dass in Böhmen ein Diamantsplitter gefunden wurde; 
dieses Stück kann jedoch nur durch Zufall dorthin gekommen sein_ Der Vortragende 
besprach hierauf die merkwürdigen Eigenschaften dieses Edelsteines: die Verbrennbarkeit. 
Unloslichkeit, grosse Harte und Haltbarkeit, deren Entdeckung seinerzeit ein bedeutendes 
Aufsehen machte. Nicht geringes Staunen erregte es unter den Zuhörern, als Professor 
Tschermak ein Stückchen weissglühend gemachten Diamants in Sauerstoff verbrannte, 
Im Jahre r456 wurde' in Holland die in Indien langst gekannte Kunst des Diamanten- 
schleifens entdeckt und bis heute ist Amsterdam der Sitz dieser Industrie. Sehr interes- 
sant waren die Auseinandersetzungen, die der Vortragende über den Werth der Diamanten 
mit Rücksicht auf die andern Edelsteine gab. Die Perser schätzten höher als den Dia- 
manten die Perle, den Rubin, den Smaragd und den Chrysolith. Cellini setzte an die 
erste Stelle den Rubin, an die zweite den Smaragd und dann erst den Diamant. Was 
wir an letzterem so hoch achatzen, beruht auf dem Reflex der Lichtstrahlen, auf der Er- 
zeugung der vielen leuchtenden Farben. Wir müssen gestehen, dass der Stein schon dann. 
wenn er fixirt ist, das Auge blendet, viel mehr aber noch, wenn er, als Schmuck ver- 
wendet, in bestandiger Bewegung ist. Das beständige Glitzern und Leuchten lasst das 
Auge zu keinem ruhigen Genüsse kommen. Ein berühmter Physiologe sagte, es sei eine 
barbarische Sitte, Brillantschmuck zu tragen. Der unangenehme Eindruck kann gemildert 
werden, wenn eine grosse Anzahl von Facetten angelegt wird, wodurch die Bilder des 
Lichtstrahles ungemein verkleinert werden. Noch mehr kann man den Eindruck mildern, 
wenn man den Brillant blos in kleinen Stücken nls Beisatz von anderen Edelsteinen ver- 
wendet. Von der fernem Verwendung des Diamanten sind interessant die Cameen und 
Intaglien, welche das Cinquecento herstellte. In jüngster Zeit verwendet man den 
schwarzen Diamanten, der sonst nur zum Schleifen gebraucht wurde, auch in technischer 
Beziehung und zwar mit ausgezeichnetem Erfolge als Gesteinsbohrer. 
Am 15. Februar liess Professor Tschermak einen Vortrag über künstliche 
Edelsteine folgen. In der Einleitung besprach der Vortragende den Wunderglauben 
der Menschen, der den Edelsteinen übernatürliche Kräfte zuschreibt. Der Diamant, so 
glaubte man, sei im Stande, Dämonen zu vertreiben, die Kraft des Magneten zu vernichten. 
Der Hiacynth soll vor Trunkenheit bewahren und Schlaf bereiten, ausserdem auch Reich- 
thurn und Weisheit gewähren. Diese Erzählungen, die meistens aus dem Mittelalter 
stammen, wurden auch von Leuten geglaubt und verbreitet, die eine bedeutende Rolle 
in der Literatur ihrer Zeit gespielt haben. Doch existirt der Wunderglaube auch noch 
heute und selbst in gebildetern Standen, so zum Beispiel werden in Italien Korallen als 
Mittel gegen die Malaria angewendet. Man schreibt den Edelsteinen auch medicinische 
Wirkungen zu: Der Diamant, in gepulvertem Zustande in den Mund genommen, soll die 
Zahne ausfallen machen, der Rubin gegen Pest _und Gift schützen; dem Smaragd, der 
überhaupt stark in AiTection genommen war, schrieb man ei_n_e specilische Wirkung gegen 
die Epilepsie zu; das Smaragdpulver war eine beliebte Medicin und es gab im Mittelalter 
eigene Edelstein-Doctoren, wie wir heute etwa Homöopathen haben. Freilich gab es auch 
dabei Falschungen und in alten Apotheken fand man als Smaragd bezeichnet den grünen 
Flußspath. Die Nachahmung von Edelsteinen ist so alt als die Edelsteinkunde. Der Vortra- 
ende unterscheidet drei Kategorien von Imitationen: i. wenn irgend ein Edelstein einem 
äferschonerungsproccss unterzogen wird; 2. wenn auf künstlichem Wege der SteinYund 
genau so, wie er in der Natur sich findet, dargestellt wird; zur 3. Kategorie geboren 
jene Körper, welche als Imitationen den Edelsteinen nur in Bezug auf Farbe und Glanz 
gleichen, nicht aber in Bezug auf die chemische Zersetzung. Die Verschönerung von 
Edelsteinen war auch schon den Alten bekannt. Ein Juwelier, Namens Nero, erfand die 
Methode, einen blassen Smaragd schon grün zu farben, indem er Oel in einen kupfernen 
Mörser goss und den Smaragd darin wochenlang liegen liess. Der Rubin wird durch 
Glühen glanzender, der braune Topas durch dieselbe Procedur rosenroth. In dem Brennen 
der Onyxe ist diese Kunst der Verschönerung von Edelsteinen am weitesten vorgeschritten. 
Man versteht es heute, namentlich in Italien, die schönsten Farbenlagen durch das Glühen 
und Kochen in bestimmten Substanzen herzustellen. Was die zweite Gruppe, die auf
	        

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