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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 139)

schenswerth sein kann. Charakterisiren wir mit zwei Worten das abge- 
laufene Jahr, so ist es nicht nur ein Glied neuer Entwicklung in quanti- 
tativer Richtung, sondern weit mehr ein solches der Vertiefung, des 
Studiums und Fortschrittes in Kunst und Technik. 
Darauf zielte hin der Abendcursus im Winter, wo einige 20 Glas- 
maler in zwei Abtheilungen nach ornamentalen und Figuralen Gypsmodellen 
und Gewandfiguren zeichneten; die Bereicherung der Bibliothek rnit einigen 
Hauptwerken über Ornamentik, Heraldik und Kunstindustrie, welche mit 
erfreulicher Theilnahme bei Lösung verschiedenerAufgaben benützt wurden; 
die häufigere Uebermachung ganzer Aufträge an die Anstalt, wodurch 
reiche Gelegenheit zum Studium und zur Anwendung praktischen Kön- 
nens gegeben wurde und durchschnittlich fünf Zeichner vollauf Beschäf- 
tigung erhielten. Einen derselben, der mit der Uebertragung der Steinle- 
schen Compositionen der Kreuzschifffenster der Votivkirche in Wien be- 
traut wurde, veranlasste die Anstalt vor Beginn seiner Aufgabe zu einer 
Studienreise; einem zweiten Ornamentisten ist für das laufende Jahr ein 
rnehrwöchentlicher Aufenthalt an Kunst- und Kunstgewerbemuseen be- 
stimmt. - Es ist hier angenehme Pflicht, dem k. k. Handelsministerium, 
welches auf Ansuchen des Director's der Tiroler Glasmalerei-Anstalt um 
geeignete Lehrmittel für genanntes Zeichnungsstudium in grossmüthigster 
Weise das Storckische und das Grandauefsche Werk sowie eine Collection 
vorzüglicher Gypsabgüsse nach Originalen des classischen Alterthums und 
der Renaissance überrnachte, den tiefsten Dank auszusprechen. Die ge- 
wissenhafte Verwerthung dieser schönen Materialien weisen die Mappen 
aus, worin die Zeichnungen der Glasmaler der Anstalt gesammelt sind. 
Ebenso bringt die Direction dem k. k. Obersthofmeisteramte Sr. Majestät 
des Kaisers den tiefsten Dank dar für die hohe Bewilligung der Aufnahme 
der decorativen Wandmalereien des spanischen Saales im Schlosse Ambras 
durch einen unserer Zeichner. 
Ein Mißstand machte sich gerade im verflossenen Herbste besonders 
fühlbar: die Ueberhastung grosser Aufträge, welche in denkbar kürzester 
Zeit ausgeführt sein sollten und auch ausgeführt wurden. Appellirt in 
vereinzelten Fällen der Architekt, dem hier und da erst im letzten Mo- 
mente die Mittel zu einer Kunstverglasung bewilligt werden, mit Grund 
an die Leistungsfähigkeit eines grossen Etablissements, so entsteht für 
dasselbe doch die grösste Verlegenheit, wenn plötzlich drei und vier um- 
fassende Aufgaben gegeben werden und alle Hände sich damit beschäf- 
tigen sollen mit Hintansetzung einer Menge schon begonnener; bei der 
gezwungenen Eilfertigkeit sind unsaubere Mache, Unfälle, materielle Ver- 
luste und Schädigung des ganzen Geschäftsganges wie des wohlerworbenen 
Rufes der Anstalt gar nicht zu vermeiden. 
Am Schlusse des vorjährigen Berichtes wurde der in Schwebe be- 
findlichen grösseren Arbeiten gedacht, worunter die Kunstverglasungen 
lder Kathedrale von Savannah obenan standen. Leider trat auch darin
	        

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