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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 141)

theilt; für Gesellen und Lehrjungen bestand eine besondere S0nn- und

Feiertagsschule. Zur Aneiferung des Fleisses waren vom Commerzien-Consess

 Prämien ausgesetzt. Besondere von den Fabrikanten selbst bestrittene

 Preise bestanden für die Seiden- und Brocatzeugmacher, welche

die Sonntagsschule besuchten. Die Preisvertheilung fand alljährlich am

Vorabende des Namenstages der Kaiserin statt. Nach einer Beschreibung

der Anstalt vom Jahre 177i besass dieselbe eine beträchtliche Sammlung

von Zeichnungen und Kupferstichen, und wurde von Kaufleuten, Kanzelisten,

 Schreibmeistern, Tapezierern, Zuckerbäckern u. A. fleissig besucht.

Sechzehn „geprüfte Scholarn" (in der Lehre stehende Bürgersöhne) genossen

 unentgeltlichen Unterricht. Auf Verlangen wurden für Gewerbsleute

 auch Entwürfe und Muster in der Schule angefertigü).

Mit dieser Zeichenschule für den allgemeinen gewerblichen Unterricht

war nun freilich den speciellen Anforderungen einzelnerFächer noch nicht

Genüge geleistet. Für einen der wichtigsten Zweige der industriellen

Kleinkunst errichtete man daher lO Jahre später die „Erzverschneiderschule"

 oder „Possier-, Verschneid- und Graveur-Akademie", wie sie abwechselnd

 genanntwird. Als die Seele dieser Schöpfung istJacob Schmutzer

zu betrachten. Der Grundgedanke war derselbe, den Kaunitz bei der

Gründung der Manufacturschule gehegt hatte. In einem "Promemoria,

worin er die Unentbehrlichkeit der Schule nachweist, äussert S chrnutzer,

dass man auf diese Weise mit der Zeit in der Heimat selbst geschickte

Meister in geschnittener und getriebener Arbeit heranbilden werde und

künftig „diese Arbeiten von Paris kommen zu lassen entböhren könnte".

(Acten d. Akad.) Abgesehen ist hierbei von der mit der k. k. Münze damals,

 wie heute noch, verbundenen Graveur-Akademie, bei welcher z. B.

Math._Donner und sein Lehrer Antonio Maria de Gennaro als „Münzgraveur-Kunstscholarn-Directoren"

 fungirtenä- Zum Director der neuen

Anstalt wurde der treffliche Bildhauer und Graveur Anton Domanöcksl

') Realzeitung 1771, S. 4:4 ü". Danach befand sich die Schule um jene Zeit in der

Bognergasse. im Burg'schen Hause (gegenwärtig in Nr. 3 verbaut).

i) Gennaro kam 1713 aus Neapel nach Wien und wurde noch in demselben Jahre

von Carl VI. „zum kuis. Munz-Eysenschneyder" ernannt. Ueber sein Verhaltniss zu M.

Donner gibt folgendes Attest vom 13. Jänner 1738 Aufschluss: .,Attesto io Sottoscritlo,

qualmente sin clall' anno 1734 ed anche prima el Signore Matteo Donner e venuto da me

per osservare, ed apprenderc il metodo, e regole de la professione d'lnt.agliatore di Zecca.

La onde fu il rnedesimo con Cesareo Decreto a me costituito, come prirno Scolaro, perche

imparasse detta professione, la quale glie l'ho io, con lutte le regole nppartenenti in essa

successivamente insegnata, come chiaro si conosce della diGerenza e miglioramentß di perfezione,

 che vi 6 da' prirni agPultimi suoi lavori ch'egli ha fatto, e  Percioche il prefalo

 Signure Donner e capace di servire (come a1 presente serve) nela Cuarea Zecca di

Vienna e tutto cid Yatferrno ecc. Anton Maria de Gennaro, Direttore dell' Academia

dell' lntagliatori di Zecca. (Reichsfim-Arch, Holfim-A.)

3) Auch Domaneck oder Domanek geschrieben. Er war ein Schüler Mauhäus

Donner's und seit 1775 Mitglied der MalervAkadernie. ln der Eingabe des Commerzien-
            
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