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MAK

Full text : Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 8 und 9)

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Ausstellung der Wiener Kunstgewerbeschule. Silberne Giirtelsclinalle mit Email, entworfen und ausgeführt von

Hans Ofner (Stark-Schule)

mal nicht erreicht wird. Das Kunstgewerbe macht sich, wohl weil Dresden stark absorbierend

 gewirkt hat, sehr bescheiden. Ein Interieur in hellgelber schwedischer Birke mit

der Hammigen Maserung, die jetzt Favorit ist, vertritt die angewandte Kunst und ein paar

Vitrinen enthalten Ketten und Schmuck, die Moraweschen Stilfächer mit geschnitzten und

durchbrochenen ElfenbeingriiTen. Battiks des Ehepaars Fleischer-Wiemann hängen an der

Wand.

Doch all das sind alte Bekannte, Revenants, die leider noch nicht die Ruhe und

die Erlösung von denAusstellungsfahrten durch einen Käufer gefunden.

Von diesem großen Jahrmarkt kann man sich in einer fabelhaft distinguierten und

kultivierten Ausstellung erholen, die bei Amsler und Ruthard jetzt stattfindet. Sie bringt

eine Kollektion der Londoner „Twelve". Sie bilden eine Sezession der vor 25 Jahren begründeten

 Vereinigung englischer Maler-Radierer. In dieser Gruppe brachen Zwistigkeiten

aus, als l-Ierkomer seine Monotypien herausbrachte, die nicht den technischen

Forderungen des Bundes entsprachen; als dann die Grenzen durch Zulassung von Reproduktionen

 noch mehr erweitert wurden, schloß sich eine Opposition zusammen, die jene

ursprüngliche Bedingung der Originalgraphik für allein bedingend erklärte und sich als

Klub der „Twelve" auf dieser Basis vereinigte.

Besonders interessiert der in Deutschland wenig bekannte Charles Conder, der bei

der Fächerausstellung schon durch die luxuriöse Phantasie festlicher Entwürfe aufliel. Auch

hier spielen auf den Lithographien von warmem Rötelton die Szenerien der Fetes galantes,

exotische Atmosphäre in einer Mischung von Rokoko - Conder liebt die Poesie des Reifrocks

 - Exotik und spanischen Schleierrhythmen. Rafiinements der artificiellen Beleuchtung

 liebt er, Bühnenoptik, Logendunkel, im Licht aufschimmernd, das Lumineuse der

Lampignonnächte und die Seide.

Wollte man seine Familie bestimmen, so müßte man aus der Vergangenheit den

üppigen Monticelli nennen, auch Beardsley-Rasse, farbig illuminiert, wird hier deutlich, und

Hennen Angladas koloristische Opiate sind ihm verwandt.

Gordon Craig begegnet man mit Porträts in Holzschnitt von kapriziöser Flächenkunst

und einem pikanten Archaismus. Frauen im Reifrock werden gegen pyramidisch gestützte

Bäume auf die witzige Parallelwirkung hingestellt und mit besonderer Liebe wird wie auf

alten Blättern der Schriftsatz, meist in Kursiv, unter dem Bilde behandelt.

William Strang, der Führer der Zwölf, kommt mit Totentanzphantasien über das

Goyathema der Kriegsgreuel.

Charles Ricketts zeigt subtil gestrichelte Blättchen, Schwarz-weiß-Miniaturen

biblischer Geschichten.

Cameron entzückt durch die erlebnisvollen Architekturradierungen und mehr noch

durch die sensiblen Landschaften, die Loire-Stimmungen mit den zittrigen Filigranbäumen

in schimmernden graugrünen Dämmerungen.

Sturge Moores Phantasien, Rothensteins mondäne Porträts sind noch zu nennen und

schließlich Nicholson, der wohlbekannte Flächenkünstler.
            
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