MAK

Full text: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 11 und 12)

 
Neuerwerbung der Textilsarnmlung des Österreichischen Museums. Venezianische! Renaissancesamt, grün 
und orange auf glattem weißem Grunde (Höhe des Stückes 87 Zentimeter) 
Diagonalanordnung kleiner in sich geschlossener Motive. Die reichere 
Goldmusterung zeigt als Grundschema eine S-förmige Gliederung, wie sie 
auch für einen großen Teil der frühen Spitzen kennzeichnend ist." 
Besonders auffällig sind die schrägstehenden Balken, die dadurch gebildet 
sind, daß in ihnen ein großer Teil der Kettenfäden der Breite nach vorne 
„flottliegt"; diese Fäden sind dann (in zweimal gebrochener Linie) mit der 
Schere auseinandergeschnitten, so daß sie nun von beiden Längsseiten 
her schräg über die allgemeine Fläche herausspringen. Es wird dadurch in 
dem, sonst einheitlich weinroten und nur mit Gold gemusterten, Seiden- 
gewebe ein außerordentlich reiches Spiel der Lichter erzeugt. Es ist einer 
der zahlreichen Versuche der fortgeschrittenen Renaissance, plastische und 
Lichtwirkungen zu erreichen, und wäre etwa dem Mustern durch „Fiocchi" 
oder durch bloße Schnitte im Gewebe vergleichbar. Die Gesamtwirkung 
des Stoffes ist von merkwürdig schlichter Vornehmheit und doch von ganz 
geheimnisvollem Licht- und Farbenreize. 
Gleichfalls der fortgeschrittenen Renaissance gehört das auf Seite 480 
abgebildete Gewebe an. Das Stück ist anscheinend als obere Abschluß- 
borte einer Bespannung gedacht und zeigt in der Längsrichtung oben und 
' Gesxickt Findet sich Vergleichbares etwa auf einem Damenporträt Bronzinos in der Eremitage zu 
St. Petersburg.
	        
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