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Full text: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 11 und 12)

hinter dem I-Iauptaltar derselben Kirche tragen (Abb. u). Dieser Kirchen- 
stuhl besteht aber auch aus Spolien verschiedener Zeiten und wurde im 
Laufe der Jahrhunderte öfters restauriert. Darin stimmt auch Eitelberger 
überein, der ganz richtig hervorhebt, daß die beiden Säulen (und ergänzend 
sagen wir, auch deren Kapitelle) nichts mit den Völkerwanderungsplatten, 
aus denen wahllos die Kathedra zusammengestellt ist, zu tun haben. Ob 
nun die für uns in Fra- 
ge kommenden Kapitelle 
gleichzeitig mit den Kan- 
zelbrüstungen entstanden 
oder auch Spolien einer 
früheren Periode sind, 
magdahingestelltbleiben. 
Zu den Säulen, die spät- 
antik oder frühchristlich 
sind, gehören sie nicht. 
Sie weisen zwar manche 
Ähnlichkeit mit den Kapi- 
tellen in der Krypta von 
Aquileja auf, daraus aber 
einen Schluß zu ziehen, 
wäre nicht ratsam, da die- 
se Kapitelle selbst schwer 
zu datieren sind. Bei der 
Zurückgebliebenheitman- 
cher Kunstzweige im aqui- 
lejensischen und graden- 
sischen Gebiet könnte 
man schließlich auch an- 
nehmen, die Kapitelle un- 
serer Kanzel, respektive 
jene der Kathedra seien 
im XIII. Jahrhundert ent- 
standen. Da wir aber da- 
für keinen strikten Beweis erbringen können, lassen wir die Frage offen und 
begnügen uns mit den hier erbrachten Feststellungen. 
Danach ist die Gradenser Domkanzel ein zeitlich einheitliches Werk, 
das am Ende des XIII. oder am Anfang des XIV. Jahrhunderts zu datieren 
ist. Dieselbe ist in einem Orte entstanden, in welchem einerseits der venezia- 
nische Byzantinismus, andererseits die von Norden durch die Alpenstraße 
kommenden Einflüsse sich kreuzten. Einheimisch ist die provinzielle, rohe 
Umwertung. Aus Spolien der Spätantike, aus bäuerischen Reliefs, in denen 
kaum mehr ein Hauch der großen Kunst zu spüren ist, der sie ursprünglich 
entstammen, aus venezianisch-byzantinischen Architekturmotiven wurde eine 
Abb. n. Grade, Dom, Kathedra (Phon. Alinari) 
n.
	        
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