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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 11 und 12)

erarbeiteten Schönheit, für den „Geist der Antike" kein Verständnis. „Sein

transzendentaler gestimmtes Gemüt verlangt anderesff Wie er in der Gesamtanlage

 des Altars konservativ an seinem gotischen Schema festhält, wie er

zur Betonung des Vertikalismus Etagen auf Etagen türmt, wie er alle architektonisch

 motivierten Teile durch Aufstellung von I-Ieiligeniiguren, durch Aufsetzung

 leicht bewegter Englein gleichsam wie in der Gotik in Spitzen aus-i

laufen läßt, ebenso schaltet er mit den neuen Dekorationsformen ganz im

Geiste der an Ertindungskraft so unerschöpflichen Gotik. Selbst die Säule

ist ihm mehr Dekorations- als Konstruktionsglied. Bald schlingt sich um den

Säulenschaft naturalistisches Laubwerk, während das untere Drittel mit

Ornamenten stilisierten Charakters ausgestaltet wird, bald ist die Säule in

ihrer ganzen Länge mit plastisch vortretenden Engelsköpfchen zwischen

Flügeln mit herabhängenden Fruchtfestons (Abb. 4) geschmückt, bald auch

geht man in echt deutscher Gestaltungsfreudigkeit so weit, daß die Säule

eine blumen- und blütenartige Gestalt bekommt, indem sie sich gegen die

Basis zu knollenartig erweitert oder vasenartig ausbaucht (Abb. 10). Dieselbe

Vorliebe für groteske Formengebung, für Reichtum des Ornamentes tritt an

allen Altarteilen zutage. Die Belege für den durchaus deutschen Charakter

der Altaranlagen. der volkstümlichen deutschen Kunst der ersten Hälfte

des XVII. Jahrhunderts, die mit der italienischen Kunst nur in einem leisen

und ganz sekundären Zusammenhang stehen, könnten ins Endlose vermehrt

 werden. Nach der ausgezeichneten entwicklungsgeschichtlichen

Studie, welche Richard Hoffmann diesem Kapitel deutscher Kunst widmete,

hieße ein Mehr der Darstellung nur Eulen nach Athen tragen.

In dieser Entwicklungsphase deutscher Plastik scheint mir nach dem

vorliegenden Material I-Ians Waldburger einer der bedeutenderen Meister

Süddeutschlands zu sein. Keiner zeigt solches Verständnis für den klaren

und wohlproportionierten Aufbau des neuen Säulenaltars wie er. In seinem

für einen deutschen Meister dieser Zeit weitgehenden Erfassen der Architektur

 als Ganzes vermute ich das Resultat seiner italienischen Wanderjahre.

Seine Beziehungen zur italienischen Kunst, die ja auch in Salzburg durch

die Dombauarchitekten ihre Vertreter hatte, verrät er auch im Tabernakelbau

 für St. Peter. Im Grund genommen war er aber in seiner Kunst noch

deutscher, das heißt gotischer, als alle anderen mir bekannten Meister seiner

Zeit. Das Durchbrochene, Durchsichtige der Konstruktion eines gotischen

Altars, das die übrigen Meister vergeblich auf den Altarbau dieser Zeit zu

übertragen versuchten, das schuf er mit seinen ihm eigentümlichen „durchbrochenen"

 Arbeiten, mit denen er vor allem das Bildfeld des Aufsatzes

füllte. Nichts Reizvolleres hat die gleichzeitige heimische kirchliche Kunst

geschaffen, als den durchbrochenen Aufsatz des Mondseer Altars (Abb. 9)."

Durchaus gotisch ist seine Eigenart, das Mittelfeld seiner Altäre mit figürlicher

 Plastik zu füllen, mit Gruppen von Dimensionen, welche an Größe

- die mächtigsten gotischen Schnitzwerke übertreffen. Goüsch ist Waldburger

" Die Wclkenkulisse scheint überarbeitet zu sein. Die schwebenden Engel stammenvon dieser Überarbeitung.
            
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