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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 11 und 12)

wieder schildert, das er einer und derselben Raumgestaltung (seinem Heim mit der großen 
Baßgeige) zeigt, die er immer wieder neu studiert; auch die Menschen, die er schildert, 
entstammen zumeist dem gleichen Milieu und nicht selten ist er selbst der Mittelpunkt 
seiner Werke. 
In dieser Innerlichkeit und Weltabgekehrtheit, in dieser Unbekümmertheit um das, 
was außerhalb seines Lebenskreises lag, war die Stärke und Begrenztheit seines Schaffens 
begründet und das, was sein Schaffen sympathisch macht. 
Anders war Kurzweil geartet, dessen Nachlaß bei Wawra zu sehen war. Ein feiner, 
weltmännisch kultivierter, in Frankreich wie bei uns eingebürgerter Künstler, war Kurz- 
weil doch auch wie Stöhr in erster Reihe der Schilderer und Beobachter. Auch ihm sind 
die großen Formate, die l-igurenreichen Gemälde nicht das eigentliche Schaffensgebiet. Sein 
eleganter Pinsel beherrschte das mondaine Porträt, die farbenfrohe Naturstudie, den Aus- 
schnitt aus Natur und Leben; es lag wirklich nichts Umwälzendes in seinem Streben, nur 
eine Sehnsucht nach Lieblichkeit, Klarheit und Heiterkeit, Farbenfreude und Sonnenlicht. 
Ein Anknüpfen an die besten Leistungen seiner Zeit, von dem wir heute ganz und gar nicht 
begreifen können, wie es noch vor kaum einem Menschenalter revolutionär wirken konnte. 
Auch Kurzweil war aber ein ewig Strebender, der stets zu immer weiterschreitender Ver- 
vollkommnung seiner selbstgewählten Weise vorwärtsdrängte. Nur war ihm die Berührung 
mit französischer Kunst, der Kontakt mit einer weiteren größeren Welt ein förderndes 
Element, das eine Leichtigkeit und Frische des Schaffens begünstigte, welches mannigfaltig 
und lebendig blieb. 
Das Künstlerhaus brachte einen Überblick über das Lebenswerk von Leopold Horovitz. 
Seine Anfänge reichen noch in jene Zeit zurück, in der Amerlings Einüuß fühlbar war. 
Der früh zu tüchtigen Leistungen reife Künstler hat mit einem weiter gespannten Gesichts- 
kreis begonnen, als der fertige Maler auszufüllen liebte. Die ersten Arbeiten verraten 
einen Suchenden, der im Leben der Juden, in seiner Umgebung nach menschlichen Er- 
lebnissen schürfte. Dann kamen die ersten Erfolge als Porträtmaler, die sein weiteres 
Schaffen bestimmten. Ein glänzender äußerer Erfolg, begleitet von materieller Gunst, trat ein 
und blieb dem Maler treu, der seinen Pinsel ganz und ausschließlich in den Dienst der Bild- 
nismalerei stellte; als sich Reiche und Vornehme in großer Zahl bemühten, seine Treff- 
sicherheit und seine verständliche und doch repräsentative Art in den Dienst ihrer Eigenliebe 
zu stellen, blieb Horovitz eifrig, unermüdlich, gewissenhaft in der einmal begonnenen erfolg- 
reichen Bahn. So bilden die Ausstellungsräume wohl eine Revue berühmter Namen, schöner 
Frauen, politischer und wissenschaftlicher wie gesellschaftlicher Größen. Man kann aber 
nicht viel von künstlerischen Zielen sprechen. Das gegenständliche Interesse waltet vor; 
auch in den wenigen Zeichnungen, die vorhanden sind, überwiegt es. So tüchtig und ge- 
wissenhaft die Leistung ist, die künstlerische Persönlichkeit tritt immer mehr zurück, je 
häufiger die Aufträge werden. Selbst die Stellung technischer oder malerischer Probleme 
versagt sich der Künstler immer mehr, offenbar unter dem Druck jener Forderungen und 
Anschauungen, die den künstlerischen Vorstellungen der Auftraggeber notgedrungen .an- 
gepaßt werden sollten. 
Ein kleiner Raum war mit den Arbeiten Thomas Hrnöii" gefüllt - des Kupferstechers. 
In diesen ileißigen Arbeiten eines scharfen Stichels liegt die Geschicklichkeit und Begrenzt- 
heit einer Epoche, über die eine stürmische Entwicklung neuer Hilfsmittel und neuer An- 
schauungen hinwegschritt. Wir verstehen heute kaum mehr die Sauberkeit und Trocken- 
heit gewisser Darstellungen nach Bildern alter Meister. Verständlicher ist uns das Porträt 
und besonders jenes, in dem ein freierer persönlicher Geist weht, wie in dem reizvollen 
jugendbildnis V. Scheffels oder dem Doppelbildnis von Löwe und Laroche. Der Umstand, 
daß der Künstler ständig an der Staatsdruckerei tätig war, erklärt die Möglichkeit, diese 
Linientechnik, die so wenig Entwicklungsfah-igkeit birgt, konsequent beizubehalten. Ihr 
fielen Aufgaben zu, die heute das Lichtbild weit vollkommener löst, dann wieder solche, 
welche die freiere Stichel- und Griffelkunst der Radierung, der Lithographie glänzender und
	        
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