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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 11 und 12)

gesehener Studien entstand, die gute Bildwirkung und dabei auch gegenständlich sehr

anregenden Inhalt besitzen. Lebendige figurale Studien ergänzen die bunte Reihe, deren

stärkste Blätter aber wohl diejenigen sind, in denen die Kuppeln und Minarette oder die

Wohnbauten der Felsenstädte mit sicherem Griff erfaßt und zum Mittelpunkt lebhafter

gegensätzlicher Wirkung von Licht und Schatten, Weiß und Schwarz geworden sind. Es

ist eine Griffelkunst gesunder, wirksamer Art, die dankbares Verständnis leicht und sicher

erwerben muß; durch feine Farbenwirkung wird der o9: nur rasch und flüchtig, aber doch

treffsicher hingesetzte Kohlenstrich lebendiger und fesselnder, ohne daß er den suggestiven

Reiz vibrierender Ursprünglichkeit der Empfindung verliert.

LQIS KOLB BEI HALM 8: GOLDMANN. Ein Epigone Klingerscher

Griffelkunst mit eigenen kräftigen Rhythmen und Phantasien zeigte in dem kleinen

Raum bei Halm 8: Goldmann einige große Blätter. Großes Format und ein gewisses Übermaß

 kraftvoller Zeichnung scheint nun das jüngste Streben des tüchtigen Radierers zu

sein. Wenn er lebensgroße Porträte mit seinem spitzen Instrument in die Metallplatte ritzt,

so macht er sich wohl selbst zum Konkurrenten der Lithographie, die hier günstigere

Möglichkeiten bietet. Trotzdem gelang ihm auch dabei Manches farnos.

Näher stehen ihm aber doch die Reigen und Träume einer eingebildeten Welt, denen

er breitliüssige, tonige, kräftig umrissene Blätter verdankt. Auch farbige Radierungen verstärken

 die sinnenfrohe bewegte Stimmung, die aus dem radierten Werk Alois Kolbs immer

wieder durchbricht. Daß er dabei stets die Wirkung an der Wand beachtet und das radierte

Blatt zur stärksten Wirkung zu steigern sucht, bildet einen weiteren Vorzug, der ihm

sicherlich viele Möglichkeiten erschlossen hat, auf weite Kreise anregend einzuwirken.

ARL SCHÜCH BEI NEBEHAY. Dern Andenken Schuchs ist eine gehaltvolle

kleine Bilderschau bei Gustav Nebehay gewidmet worden. '

Man hat dem Genossen Leibls und Trübners, der ein Wiener Kind war, aber seinen

künstlerischen Freundeskreis auswärts fand, bei uns stets zu wenig Beachtung geschenkt.

Seine reifen späteren Arbeiten zeigen ihn auf voller Höhe der besten deutschen Malkunst.

Von dieser Art sind allerdings nicht zu viele Stücke vorhanden. Schuch hat selbst in steter

Selbstkritik viel zerstört.

Nebehay bringt frühe und früheste Arbeiten Schuchs, die für seinen Entwicklungsgang

 aufklärend wirken. Es sind zarte Landschaften und feine Zeichnungen _ zumeist

aus Italien A, die an Schleich, an den frühen Corot entfernt erinnern in ihrer warmen

zarten Tonskala, die in die Natur hineingesehen ist, in ihrem noch vedutenartig weitgespannten

 Gesichtsfeld. Gerade diese Gegenüberstellung des konventionell geschulten und

zartbesaiteten Anfängers und des ganz im Anschauen versenkten, stark persönlichen, wenn

auch schwermütigen, energisch auf dunkle Farbe gestimmten reifen Künstlers ist interessant.

 Sie läßt die schweren Kämpfe im Innern des Künstlers ahnen, der sich zum knappen

Ausschnitt, zur selbständigen Naturanschauung durehringt und vom illustrierenden Erzähler

 zum Maler von Rang aufsteigt.

Darin liegen auch die starken Gegensätze zweier Künstlergenerationen ausgedrückt,

zu deren besten Repräsentanten Schuch Beziehungen hatte.

ÜCHEINBANDE BEI R. LECHNER. Professor Paul Kersten von der Berliner

Kunstgewerbeschule hat eine Gruppe verschiedenartiger Einbände bei Lechner zur

Schau gestellt. Er hat in seinem Lehrbuch, das er dem „Exakten Bucheinband" gewidmet

hat, auf die präzise und technisch wie formal einwandfreie Arbeit hingewiesen. Sie fußt

auf den guten Traditionen englischer und deutscher Buchbindekunst, die vom Rücken bis

zum Vorsatz einen einheitlich geschmackvollen Zug betätigt. Tüchtige Handarbeit, trelfliches

Material, ohne das Betonen starker Persönlichkeitswerte, aber in stetem Festhalten feinen

Geschmacks, lassen einen erfahrenen und gewandten, präzisen Werkmeister erkennen.
            
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