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Full text: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 6, 7 und 8)

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gesagt, hat dies auch die ersten Bauten Berlages beeinflußt, wodurch sie 
während der Übergangszeit viel mehr geistige Umbildungen und Abstra- 
hierungen alter Vorbilder sind statt ästhetische Neugestaltungen auf der 
Grundlage elementarer Prinzipien; es hat den Anschein, als ob er auf die 
alten Vorbilder seine neuen Prinzipien geimpft habe. 
Dies ist in seinen Möbeln dieser Zeit weniger der Fall, weil sie eine 
Urform zeigen, welche den praktischen Bedürfnissen und konstruktiven 
Forderungen der Zeit entspricht. Daß dennoch eine neue ästhetische Form- 
gebung noch nicht erreicht wurde, ist Folge der einseitig tektonischen Auf- 
fassung: Material und Konstruktion sind ängstlich in Ehren gehalten, wodurch 
 
Abb. 20. Perspektivische Ansicht des Entwurfes für den Friedenspalast im Haag, 1907 
die Resultate einigermaßen roh und wenig zierlich, doch sehr überzeugend 
wirken. So gibt es einen Stuhl dieser Zeit, wobei alle runden Formen, als 
Verstoß gegen die Struktur des Holzes, umgangen und durch gerade Teile 
ersetzt sind, wodurch nicht weniger als 36 Holzverbindungen entstanden, 
welche alle mit peinlicher Genauigkeit sichtbar gelassen sind. 
Diese anfängliche Prinzipienreiterei zeugt für das künstlerische Gewissen 
Berlages, das kein Komprorniß wollte, aber sich auf die Dauer natürlich dem 
Dualismus von Idee und Praxis, welcher das Wesen der Baukunst ist, hat 
unterordnen müssen. 
So stand er in dieser Zeit vor der ungeheuren Aufgabe, in seinen Werken 
drei verschiedene, einander oft widersprechende Probleme, welche dennoch 
nicht abgesondert zu betrachten sind, zu lösen und in einer ästhetischen 
Gestaltung einheitlich zu verkörpern. Erstens rnußte er sich von der tradi- 
tionellen Form losmachen; zweitens hatte er als Kompromiß zwischen prak-
	        
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