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Full text: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 6, 7 und 8)

dem 27 jährigen Meister das Werk zu verschaffen. Die vorsichtigen Vertrags- 
bestimmungen lassen erkennen, daß man zu dem jungen Bildschnitzer kein 
allzu großes Vertrauen hatte. Der Hochaltar steht heute noch in der Pfarr- 
kirche zu Ried. Mit diesem Werk wird uns zum erstenmal die künstlerische 
Persönlichkeit Schwanthalers faßbar. Der Altar zeigt die konventionellen 
Formen der Altarwerke aus der Mitte des Jahrhunderts; es ist der aus der 
Form des gotischen Schreines herausgewachsene Aufbau der deutschen 
Renaissance; nur die kräftigeren Profilierungen der Gesimse, die über- 
quellenderen Ausbauchungen der das Gebälke stützenden Konsolen, die 
kraftstrotzenderen Segmentgiebel an Stelle der leichteleganten Flachgiebel 
und schließlich das schwerflüssig in die Höhe kriechende Rollwerk, welches 
den seitlichen Abschluß bildet, verraten die Anfänge des Barockstils, der im 
Altarbau an Stelle 
des tektonisch kla- 
ren Aufeinander- 
schichtens von 
Bauteilen, wie es 
die Renaissance 
übte, ein Wuch- 
ten und Wachsen 
von Kräften vor- 
täuscht, die den 
natürlichen Bau 
des Werkes ver- 
gessen lassen sol- 
len. Die seitlichen 
Figuren St. Mi- 
chael und St. Ge- 
org (Abb. 5) er- 
innern an die üb- 
lichen gotischen 
Schreinwächter, 
als deren Nach- 
kommen wir 
schon die ähn- 
lichen Figuren des 
Mondseer Altars 
kennen lernten. 
Entwicklungs- 
geschichtlich ha- 
ben sich diese 
Figuren Schwan- 
thalers, ebenso- 
wenig wie die am Abb. 7. Ried im Innkreis, Stadtpfarrkirche, Floriani-Altar, Detail 
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