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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 9 und 10)

sich ereignet haben. Erst gegen den Anfang des XX. Jahrhunderts erhielt die

Nordseite die Fassade eines einer wohltätigen Stiftung gewidmeten Gebäudes,

dessen klägliche Formen nicht gerade vorteilhaft mit ihrer malerischen Umgebung

 übereinstimmen. Aber die geringe Breite dieser I-Iausfront vermag den

Gesamteindruck des Mercato noch nicht störend zu beeinüussen, kann ihm

einstweilen noch keinen wesentlichen Abbruch antun.

Doch wird die Einreihung eines geschmacklosen Bauwerkes in den Kern

der alten Häuserzeilen als warnende Mahnung gelten können, welche die

Fortsetzung neuer Bauideen zum Schaden der Vedute verpönen wird. Denn

die Unversehrtheit des ganzen Gefüges, die das höchst malerische Ambiente

des mit bedeutenden Kunstwerken verzierten Platzbildes verkörpert, für die

Zukunft in unverfalschter Weise instand zu halten und zu bewahren, bildet

eine der wichtigsten Aufgaben der Stadtverwaltung und eine kaum weniger

bedeutsame Ehrenpflicht der italienischen Denkmalpflege.

ANHANG.

Der Vollständigkeit wegen möchte ich noch auf die unterlebensgroße

Holzfigur eines heiligen Rochus hinweisen, die in einer Nische oberhalb der

Tür der linken Seitenwand von S. Giacomo steht, was fraglos nicht ihr

ursprünglicher Aufstellungsort ist (Abb. 21). Diese Statue, an der trotz ihrer

hohen Lage doch Spuren alter Bemalung und Vergoldung zu erkennen sind,

gehört ohne Zweifel in jene Gruppe deutscher oder mehr oder weniger in

deutscher Manier arbeitender friulanischer Bildschnitzer des XV. Jahrhunderts,

 deren Werke aber den Einfluß der italienischen Kunst doch nicht

verleugnen. Über diese höchst interessanten Meister hat Friauls verdienstvollster

 Forscher Vincenzo Joppi sehr aufschlußreiche Dokumente und Regesten

 mitgeteilt?" so verpflichtete sich am 20. April 1461 (Joppi, „Contributo",

 IV, Seite r 3) der auch sonst genannte Stefano di Settecastelli („cioe

della Transilvania, pittore, intagliatore, indoratore et vetraio"), für die Konfratemität

 der Pelliciai eine reichgeschmückte Ancona zu verfertigen, die in

dem bei Joppi abgedruckten Regest ausführlich beschrieben wird. Das Altarwerk

 ist vermutlich verlorengegangen. Meister Stefano ist laut einer anderen

Nachricht im jahre 1468 in Arbeitsgemeinschaft mit dem tüchtigen Bildschnitzer

 Leonardo Thanna (Leonhard Thaner oder Thoner) getreten, dessen

vorzüglichstes Werk heute der Monte di Pietä von S. Daniele del Friuli

bewahrt (Abb. 22). Für diese mehriigurige und an der Predella mit gemalten

Heiligengestalten geschmückte Pietagruppe, die ursprünglich den Hochaltar

der Kirche S. Maria di Fratta (in S. Daniele) zierte, erhielt der Meister am

10. Februar 1487 (im voraus) 22 Golddukaten ausbezahlt. Das Werk ist bezeichnet:

 „1488 hoc opus pigit  Leonardus Thanna fecitß"

' Unter anderem werden erwähnt: im Jahre 1446 „Giorgio inlaglialore e pittore, abitanre in Udine, frglio

di Odorico di Perschon, dem: anche di Salisburgo" (Joppi, IV, Seite r4), 1464 „Leonardo di Baviera" (joppi, IV,

Seiteg4), 1467 bis r47r „Alberxo tedesco, abitante inTolmezzo q. ser Giovanni diVienna" (joppi, IV, Seite 46) usw.

i" joppi, IV, Seite 16. Ich habe die Signatur nicht überprüfen können, da die Gruppe in fürsorgliche:-Weise

 vor Kriegsausbruch von der italienischen Regierung in Sicherheit gebracht worden war.
            
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