MAK

Full text: Monatszeitschrift XXIII (1920 / 1, 2 und 3)

33 
treten mußte. Darin gehen denn auch die folgenden Bauten über den byzan- 
tinischen Richtungsbau hinaus; das Vorherrschen einer Richtung, das in der 
Sophienkirche als Ausdruck einer zeitlichen Aufeinanderfolge den antiken 
abendländischen Geist noch durchschlagen ließ, weicht dem in sich beruhen- 
den Zentralgedanken. So ist zum Beispiel in der Moschee Ahmeds III. (Abb. 4 x) 
der Mittelraum nach allen vier Seiten von Halbkuppeln umschlossen, die 
ihrerseits wieder auf kleineren I-Ialbkuppeln ruhen, welche das ganze Gefüge 
sinnreich zum umschließenden Kubus ausgleichen. Das Ganze ist dabei 
in jenem abstrakten Charakter gehalten, dem der Kräfte symbolisierende, 
organisch verbindende Charakter der Antike fehlt, der die einzelnen Teile 
als Selbständiges nebeneinanderreiht. Man beachte in diesem Sinne, wie das 
Aufruhen der Kuppel- und I-Ialbkuppelbogen auf den unabhängig von ihrem 
Durchschnitt geformten Rundpfeilem keine Betonung erfährt, ja durch die 
Dekoration und die Stalaktitenüberleitungen geradezu verwischt ist. Ähnlich 
wie in der Gotik sind die Wände durch Auflösung in Fenster durchaus ent- 
materialisiert und noch dazu läßt der Mangel eines tragenden Gerüstes, wie 
es in der Gotik durch die durchlaufenden Lisenen und Rippen erscheint, 
die völlige Abstraktion von den tatsächlich wirkenden Kräften erkennen. Das 
Gefüge ist kein organisch wachsendes, sondern ein trigonometrisch abstraktes. 
Dies kommt nicht minder am Äußeren der Moscheen zum Ausdruck. 
Auch da wird durch die nach allen Seiten gleichmäßige Aneinanderfügung 
der klar absetzenden Teile weit über die Sophienkirche hinausgegangen 
 
Abb. 45. Moschee Selims I. (Adrianopel)
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.