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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXIII (1920 / 1, 2 und 3)

Schon zur Zeit der Gotik aber wird vielfach nach Vorlagen von

Künstlern gearbeitet. Deutlich ist im XV. Jahrhundert ein Eingreifen der

Künstler zu erkennen, der Künstler, deren Individualität nun zu erstarken

beginnt, indem sie sich immer mehr von den Fesseln handwerklicher Zunft

befreit. Zu einem solchen Eingreifen drängte übrigens auch die Entwicklung

des Kunsthandwerks an sich, denn die Formensprache der Gotik, vorwiegend

 aus allgemeinen architektonischen Elementen bestehend, war

individuelleren Schöpfungen nicht günstig." Den Arbeiten nach Vorlagen

von Künstlern kam, der üblichen Produktion gegenüber, eine besondere

künstlerische Note zu, die im handwerklichen Betrieb nicht zu gewinnen

war. Es ist hier an Blätter wie Schongauers Rauchfaß, Israhel van Meckenems

 Bischofsstab sowie an omamentale und iigürliche Vorlagen des

Meisters E. S. zu erinnern.

Der Ornamentstich tritt nun ins Leben, der mit Recht von Lichtwark

als „ein Ergebnis der Lostrennung des Künstlers vom Handwerker" bezeichnet

 w_0rden ist. Vom Ornamentstich sind freilich die bloßen Werkzeichnungen

 abzusondern, aber auch so erscheint die Anzahl der erhaltenen

gotischen Ornamentstiche als eine beträchtliche. Wir kennen auch Beispiele

ihrer Verwertung. Hiezu kommt noch die Benutzung von Stichen, welche

zunächst gar nicht als „Vorlagen" gedacht warenf" Der Künstler beginnt

sich im Handwerk zu regen und es ist vor allem die Goldschmiedekunst, die

daraus Nutzen zog.

Im Vergleich zur Entwicklung des Omamentstiches als Vorlage während

des XVI. Jahrhunderts muß für das XV. und den Beginn des XVI. jahrhunderts

 die Einüußnahme der Künstler noch als sporadisch bezeichnet

werden. Die Künstler geben nichts Neues, nur eben alles viel künstlerischer.

Die Situation ändert sich mit dem Eindringen der neuen Formen der

Renaissance. Diese wurden von den jungen Leuten mit Eifer aufgegriffen

und in zahlreichen Omamentstichen, Model- und Kunstbüchlein propagandistisch

 verwertetfhk" Es ist schon des öfteren darauf hingewiesen worden,

daß die Spätgotik ein durchaus lebensvoller Stil gewesen sei und daß keine

innere Notwendigkeit vorlag, die alten Bahnen zu verlassen. Als historisches

Urteil Nachgeborener ist dies richtig, es verleitet aber zu Ungerechtigkeiten

in der Einzelbeurteilung, vor allem zu einer allzu starken Betonung des

Begriffes der Mode bei diesem Anlaß. Gewiß gab es Mitläufer der neuen

Richtung, aber man braucht sich nur Dürers Ringen mit der neuen Form-"

 Albert Brinvllmalih, "D59 P1111559)" Bßdßlltung der Ornamentsüche für die deutsche Frllhrenlisssnce",

Straßburg xgoy, Einleitung.

"u Über Art und Umfang der gotischen Ornnmentstiche vgl. Lichtwark, „Der Ornnmentstich der deutschen

Frührenaisssnce", Berlin 1888, Seite m5. - Lehrs, „Über gestochene Vorlagen für gotisches Kirchengerät" in

der „Zeitschrift fllr christliche Kunst". 1893, Seite 65 ff. - Über Verwertung von Stichen vgl. A. Brinck.

mann, a. a. 0., Seite 6 f., Lehrs im nlnhrbueh der Preußischen Kunstsammlungen", Band XVIL und H. Schmitz,

"Die Glasgemälde des Kunstgewerbemuseums in Berlin", xgxg, Seite log.

"V Lichtwark, a. m0. - Deri, „Das Rollwerk in der deutschen Omarnentik des XVI. undXVlL Jahrhunderts",

Berlin, 1906. - Auf den Ornnmentstich ist neuerdings durch die jüngste Publikation des Österreichischen

Museums (Ritter, „Illustrierter Katalog der Ornarnentstichsammlung", xgxg) die Aufmerksamkeit gelenkt worden.
            
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