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Full text: Monatszeitschrift XXIII (1920 / 1, 2 und 3)

anweisung lautet: Nota versus sequentes et coniicies Flabella pulcherrirna, 
coloribus decenter distincta, 
Prima liga, tibi vult numerum signari, iigure 
Altra leua, quisquis condere flabra velis; 
Porro ligature cuiusuis forrnula quae sit, 
Presto tibi monstrat preuius ipse typus. 
Preterea varios intermiscere colores 
Si libeat, memori hoc mente tenebis: 
Stamina dissimili cape bina colore seorsum, 
Dunque ligas aliis altera subtus age. 
Sic etenim miro muscaria stemmate pinges 
ac lepido aspectu, Frater amice dabis." 
Erinnerungen an die Frühzeit der Kirche werden geweckt. Gehörte 
doch damals das Flabellum als eine - hauptsächlich durch ihren Zweck 
bestimmte - Abart des Fächers zu den gebräuchlichen liturgischen Geräten. 
Und es scheint die Anfertigung von profanen und liturgischen Fächern im 
Rahmen des üblichen Flechtens von Körben und Matten" zu den nicht 
seltenen Beschäftigungen von Mönchen und Einsiedlem gehört zu haben, 
sodaß selbst heilige Männer sich nicht für zu gut für sie hieltenfh" 
Hier finden wir nun nach einem Jahrtausend wieder an geweihter Stätte 
die Anfertigung von Fächern. Für liturgischen Zweck können sie aber nicht 
bestimmt gewesen sein, obwohl man sie damals auch noch außerhalb der 
päpstlichen Zeremonien etwas allgemeiner verwendete als heute. Außer 
dem profanen Motto stünden solcher Auffassung einmal die große Zahl der 
Entwürfe, die nur für einen vielfach gebrauchten Gegenstand verschiedenster 
Größe gefertigt sein können, und dann der Umstand entgegen, daß für die 
Annahme einer Benutzung des F labellums in den Riten des Birgittenordens 
kein Anhalt zu finden ist. Man wird aber auch die Bezeichnung als Fliegen- 
wedel nicht zu sehr zu pressen brauchen und an den allgemeineren Begriff 
des Fächers denken dürfen. An dessen damals wohl wieder modernste Form: 
an den Fahnenfächer, und zwar im engeren Sinne an sein Blatt erinnern 
Eingetretenen: Die 6. person diss eingangs Caspar hueher von Tirhaubten ein Layenbrueder (wie es solche 
regelgemäß im Birgittenkloster Altomilnster gab) hat appostatiert. (München, Allgemeines Reichsarchiv: Kloster 
Altomünster, Faszikel zg, Seite 16.) 
1' Nach Einfügung der Interpunktionszeichen wird das Verständnis der Verse keine Schwierigkeiten mehr 
bereiten. Zweifelhaft bleibt allerdings die Interpretation des ersten Verses; es steht deutlich signari geschrieben, 
und es ist damit das lange i des Infmitivs metrisch kurz gebraucht. Die übrigen Verse „zeigen einen perfekten 
Lateiner, der auch die Metrik und Prosodie richtig handzuhaben versteht"; aber eine Ausnahme ist doch zu 
machen: „der 6. Vers, der ein Pentameter sein sollte, ist zu kurz." Man kann nun die Fehler als Versehen eines 
Ahschreibers auffassen oder dem Dichter doch gelegentliche sprachliche und metrische Schnitzer zutrauen. Die 
Entscheidung dürfte da meines Erachtens dem persönlichen Belieben überlassen bleiben, wenn man auf das 
Schweigen der Subskription keinen Wert legt. Denn einen Sinn gibt das, was dasteht: „Binde das Erste von der 
Figur -_ sie (die Figur) will, daß dir die Zahl angegeben werde - das Zweite hebe." - Ich habe für giltige Rat- 
schläge hei Lesung und Übersetzung der Verse zu danken vor allem Herrn Professor Dr. W, Otto in Frankfurt 
am Main, ohne dessen Hilfe es mir nicht gelungen wäre, die beiden ersten Zeilen zu verstehen. 
i" Zum Beispiel joh. Cassianus, de coenobiorum institutis; bei Migne, P. L. XLIX, Sp. x89. 
f" S. F. X. Kraus, „Real-Enzyklopädie der heiligen Altertümer" (Freiburg i. Br. 1880), I, Seite52g. - Vom 
heiligen Fulgentius, Bischof von Ruspe, wird zum Beisplel berichtet, daß er als Abt eines Klosters . . . palmarum 
fcliis Babella saepissime contexebat. (Migne, P. L. LXV, Sp. x32.)
	        

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