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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 142)

Aber auch wenn die weiteren Ziele, welche nunmehr ins Auge ge- 
fasst werden, nicht schon in den Statuten vorgezeichnet wären, würden 
die - unten näher zu besprechenden -Massnahmen nicht zu umgehen sein. 
In den letzten Jahren, genauer gesprochen: seit der Wiener Welt- 
ausstellung werden überall energische Anstrengungen gemacht, durch 
Museen und Schulen das Kunstgewerbe zu heben und zu kräftigen. Ganz 
besonders lebhaft ist diese Bewegung in Deutschland. Während Regie- 
rungen, Vereine und Kunstfreunde einander die Hand bieten, um die be- 
treffenden Institute an den Centralpunkten, namentlich in Berlin und 
München durch reichlichere Dotirung, Ueberlassung bestehender Samm- 
lungen, Erweiterung der Organisation u. s. w. ihrem Zwecke entsprechender 
zu gestalten, wollen die Provinzialhauptstädte nicht zurückbleiben, und es 
braucht nur auf die neuesten Erscheinungen, auf die mit verhältnissmässig 
grossen Mitteln entweder bereits ins Leben getretenen oder doch vorbe- 
reiteten Anstalten in Nürnberg, Frankfurt, Breslau, Köln etc. hingewiesen 
zu werden. . 
Diese Bestrebungen, an und für sich hocherfreulich, dürfen dem 
Oesterr. Museum und der Kunstgewerbeschule sogar zu besonderer Be- 
friedigung gereichen, da zugestandenermassen unser Beispiel nicht wenig 
dazu beigetragen hat, jene Bestrebungen hervorzurufen. Auch werden 
wir von dem Wetteifer, den das Entstehen so zahlreicher Anstalten 
gleicher Richtung mit sich bringen muss, gewiss wohlthätigen Einfluss 
erfahren. Allein es müssen uns auch die Kräfte zur Verfügung stehen, 
um in diesem Wettstreit nicht überfiügelt zu werden. Das ist keine 
Frage des Ehrgeizes allein -- so wenig wir uns desselben zu schämen 
haben, es kommen hier ernstere Interessen ins Spiel, als der Ruf oder 
die Präponderanz des einen oder des andern Instituts. Das Museum und 
die Kunstgewerbeschule sind nicht um ihrer selbst willen da. Sie sind 
geschaffen worden, um "durch Herbeischatfung der Hilfsmittel, welche 
Kunst und Wissenschaft den Kunstgewerben bieten und durch Ermög- 
lichung der leichteren Benützung derselben die kunstgewerbliche Tbätig- 
keit zu fördern und vorzugsweise zur Hebung des Geschmackes in dieser 
Richtung beizutragen" (Statuten des Museums,  i) und vtüchtige Kräfte 
für die Kunstindustrie heranzubildenu (Statuten der Kunstgewerbeschule, 
Q. I). Mit den Erfolgen dieser Bestrebungen steigern sich auch die 
Bedürfnisse und Anforderungen der Kunstindustrie sowohl extensiv als 
intensiv. Es muss nicht nur auf eine grössere Zahl der Schüler Bedacht 
genommen werden, sondern auch auf eine vielfältigere Verzweigung der 
einzelnen Arten kunstindustrieller Technik und auf die grössere Leistungs- 
fähigkeit der gewerblichen Etablissements und der einzelnen auf diesem 
Gebiete thätigen Künstler. Mit andern Worten: hat die Kuntgewerbe- 
schule einen fördernden Einfluss auf die österreichische Industrie genom- 
men, so nöthigen eben deren Fortschritte) die Schule zu erhöhter An- 
strengung, und die österreichische Industrie würde es schwer empfinden,
	        

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