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MAK

Full text : Jahresbericht (1899)

Bewegung aber auf dem Felde kunstgewerblichen Schaffens fesselt heute

unsere Blicke wie kaum zu einer anderen Zeit und wie kaum eine andere

culturelle Bewegung. Der mächtigen Entwicklung, welche das Kunsthandwerk

 in allen Culturstaaten genommen hat oder zu nehmen beginnt, hat sich

auch Österreich nicht verschliessen können. Mochte auch in den Augen

mancher das, was die neue Geschmacksrichtung hervorbrachte, als Product

flüchtiger Laune und vergänglicher Nachahmung gelten, immer mehr wurde

dasselbe als das natürliche Ergebnis einer allen Culturvölkem gemeinsamen

Entwicklung auf den Gebieten der grossen Kunst, der Wissenschaft, der

Technik, sowie des socialen Lebens erkannt und erzwang sich schrittweise,

wie alles natürlich Gewordene, Verständnis und Anerkennung. Und in der

That, wer wollte nicht sehen, dass das Kunstgewerbe aus dem Wandel und

dem Aufschwung der hohen Kunst und der wiederhergestellten innigeren

Verbindung mit derselben verjüngende Kraft schöpfte und dass die Erweiterung

 und Vertiefung kunstwissenschaftlicher Betrachtung seinem

Schaffen neue Quellen erschloss? Indem aber dem Österreichischen Museum

für Kunst und Industrie auf Grund seiner Statuten und nach seinen Traditionen

 die Aufgabe obliegt, durch „Herbeischaifung und Bereitstellung der

Mittel, welche Kunst und Wissenschaft bieten, die Leistungsfähigkeit der

Kunstgewerbe zu heben, den Geschmack der Kunstgewerbetreibenden und

desPublicums zu wecken und so die kunstgewerbliche Thätigkeit zu fordern",

wurde dasselbe wie von selbst auf neue Bahnen gelenkt und fühlte sich

berufen, als Vorkämpfer neuer Geschmacksrichtungen aufzutreten. Mag man

nun mit Recht oder Unrecht an seinen Bestrebungen mäkeln oder an seinen

Erfolgen nörgeln, jedenfalls gebürt ihm das eine Verdienst, die Gleichgiltigkeit,

 mit welcher das Publicum bis vor kurzem dem Kunsthandwerke gegenüberstand,

 gebrochen und warme Theilnahme für jede bemerkenswerte

Leistung entfacht zu haben; mit dem wiedererweckten Interesse aber stellt

sich von Tag zu Tag regere Lust, zu kaufen, und erhöhte Freude am

Schaffen ein.

Und so stehen wir, wenn nicht alles täuscht, am Beginne einer neuen

bedeutsamen Periode der Entwicklung der Kunstindustrie und des Kunsthandwerkes

 und erkennen, wenn wir uns auch noch in einem Übergangsstadium

 tastenden Versuchens und kühnen Wagens befinden, immer deutlicher

 die Umrisse einer sich vollziehenden Neugestaltung. Die Unterrichts-Verwaltung

 erachtet es unter solchen Verhältnissen für ihre besondere

Pflicht, mit wachsamem Auge dieser Bewegung zu folgen, die Institutionen,

welche der Pilege und Förderung des heimischen Kunstgewerbes zu dienen

haben, in zeitgemässer Weise auszurüsten, an ihren Lehranstalten brauchbare

 Hilfskräfte für das Kunsthandwerk zu erziehen, durch ihre Museen

anregend, bildend und belehrend auf die Kunstkreise und auf das Publicum

einzuwirken. Wenn wir nun in der engeren Verbindung, welche das Österreichische

 Museum, seine Kunstgewerbeschule und fachlichen Lehranstalten

mit dem schaffenden Gewerbe pflegen, den Beweis erbracht glauben, dass

die Wege der Unterrichtsverwaltung die richtigen sind, so darf ich mit

Befriedigung constatiren, dass auch die wissenschaftlichen Aufgaben, die

dem Museum bereits bei seiner Gründung vorgezeichnet wurden, über den

praktischen nicht vernachlässigt worden sind. '

Ich kann auf die neue systematische Aufstellung der Sammlungen und

deren stete planmässige Ergänzung, auf die kunsthistorischen Curse undVorlesungen

 des Museums, endlich auf die zahlreichen, von ausgezeichneten
            
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