Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 160)

177

assimiliren, die nach Tirol eingewandert sind oder dorthin berufen wurden,

 wenn auch in der Absicht, den Wohlstand des Landes zu heben.

Allerdings weist die Geschichte, insbesondere die Kunstgeschichte, darauf

hin, dass dieser Standpunkt zur Zeit der Blüthe der Kunst in Tirol nicht

rnassgebend war. Auch im Mittelalter liess man sich nicht von localen

Gesichtspunkten leiten, welche erst später, in der Verfallszeit der Kunst,

zur Zeit des Zunftwesens in das Fleisch und Blut der Bevölkerung übergegangen

 sind. Die deutschen Bauhütten speciell waren auf den geistigen

Verkehr mit der gesammten katholischen Bauwelt angewiesen und haben

der freien Wanderung der Steinmetzen und aller jener Künstler, die zur

Bauhütte gehörten, keine Schwierigkeiten bereitet, sondern diese eher

gefördert. Nie würde die Architektur des Mittelalters zu solcher Blüthe

gelangt sein, wenn in Tirol nur der Tiroler, in Prag der Böhme und

in Wien nur der Niederösrerreicher zum Baue von Münstern und Klöstern

 berufen worden wäre. Was Tirol selbst an Kunstwerken besitzt, ist

eben so sehr den einheimischen Kräften als den Nachbarländern zuzuschreiben,

 insbesondere die Künstler Oberitaliens haben bis zum Ausgange

 des verflossenen Jahrhunderts einen grossen Einfluss auf die tiro-4

 lische Production geübt, wie es die hervorragendsten Bauwerke in Tirol

zeigen. So oft in Tirol ein grösseres geistiges Leben blühte, stand Tirol

in Mitten der Strömungen der ganzen Kunst und Wissenschaft. Die Abgeschlossenheit

 von den Nachbarländern war die Zeit der Versumpfung

-- der regere Wechselverkehr erzeugte die Blüthe der Kunst und Wissenschaft.

 Um den geistvollen Sohn Ferdinand I., den Schöpfer Ambras', Erzherzog

 Ferdinand (1529-1595), gruppirten sich Einheimische und Fremde

in lebendigem Wechselverkehr. Der Archivar und Geschichtsforscher des

mittelalterlichen Tirol und der Kriegsgeheimschreiber Jos. Putsch war ein

Badenser, Gerard van R00, Leiter der Hof-Singschule und Geschichtsschreiber,

 war wie der Miniaturmaler Hufnagel, der Bildhauer Alex. Colin, der

gelehrte Orientalist A. Gislain Busbek, Niederländer, die Bildhauer Abel aus

Cöln, der Bildhauer Lud. della Duca und der Architekt der Hofkirche

Max della Bocca waren Italiener. Mit ihnen wirkten einheimische Dichter

und Bildhauer, Rechtsgelehrte und Erzgiesser. Bei der Ausschmückung

des Schlosses Velthurns wirkten einheimische und deutsche Kräfte zusammen.

 Sie waren sich ebenbürtig und standen auf einer gleich hohen Stufe

kunstgewerblicher Leistungsfähigkeit. Der deutsche Minnegesang hat in

Tirol seine Heimat, und die Fresken von Runkelstein, welche die Gesänge

von Tristan und lsolde verherrlichen, bezeugen den geistigen Wechselverkehr

 Tirols mit dem deutschen Reiche. Auch die Blüthe der heutigen

Innsbrucker Universität ist dem geistigen Wechselverkehr der Gelehrten

zu verdanken, welche aus Tirol, aus österreichischen und deutschen Ländern

 zur Belebung der Wissenschaft berufen wurden, wo der Böhme Albert,

 der Wiener Rokitansky, der Ungar Stumpf, die Deutschen Kleinwächter,

 Ficker, Busson, Jülg neben hervorragenden Landcskindern lehren,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.