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Full text: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 178 und 179)

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Nachstichen großer Meister absehen, ver- 
iedene Möglichkeiten auf dem Gebiet der ak- 
len Umsetzung antiker Systeme in neue Kom- 
itionen. Freilich ist er damit nicht allein, denn 
ranni da Udine, Marc Antonio Fiaimondi oder 
ea Vico zeigen verwandte Tendenzen. Nur die 
einen Stufen der Umsetzung sind bei ihm et- 
deutlicher absetzbar. 
seiner Frühzeit sind zwei Stiche nach dem 
ilo von Belvederel bekannt. In diese erste 
ppe der reinen Kopien fällt auch ein nicht da- 
er Ornamentstich mit einer wortwörtlichen 
ie einer Schrankenplatte der Ara pacis Augu- 
i in Rom (Abb. 1)'. 
nun ein Stich nach dem Apollo sicher eine 
ie Bekanntmachung des antiken Werkes sein, 
iegt dem iiornamentalen Vorlagebiattu mehr 
runde. Aufgabe dieser seit dem späten 15. Jh. 
iandenen Gruppe von Kupferstichen war es 
ilich, als Vorlage zur Nachahmung zu dienen. 
zwar In verschiedenen Werkstätten zur ver- 
iedensten Umsetzung: für Tapisserien, Gold- 
miedekunst oder Majolika, für Einlegearbeiten 
Möbeln sowie für gemalte oder stukkierte 
iddekorationen und ähnliches. 
heißt, daß der Künstler mit einem solchen 
t auch eine reine Kopie nach einem antiken 
k, wie in dem in Abb. 1 gezeigten Beispiel, oh- 
Angabe seiner Herkunft als Vorlage für neue 
ke anbieten konnte. 
h die zweite Gruppe von Agostino Musls Orna- 
itstlchen ist rein kopistisch, jedoch mit ande- 
Bestimmung. So kam 1528 eine Serie von 
iteil- und sonstigen Baudetailstudien heraus, 
denen ein Blatt auch von dem Architekten Se- 
liano Serlio (1475 - 1554) in seinen nregole ge- 
ili d'Architettura, Venezia, 153711 verwendet 
de. Es ist ein nCorinthio-t-Kapitell, von Seba- 
no Bolognese gestochen, von Musi signiert 
datiert, das Serlio unter der Erklärung bringt: 
1131116 antichita di opera Corinthia, che si veg- 
o in ltalia a me pare che L'Pantheon di Roma, 
irco trionfale, che e sul pcrto d'Ancona, sian 
e piu belle e delle meglio intese: del quai arco, 
ipitellonß Das Kapitell ist tatsächlich am Bo- 
von Ancona vorhanden. Zu dieser Serie gehö- 
noch mehrere Blätter, die, wenn auch nicht un- 
elbar nachweisbar, doch dem gleichen Zweck 
iten: Illustrationen eines Lehrbuches zu sein 
I). 2 - 4)'. 
a weitere Möglichkeit im Verhältnis zwischen 
tin mm Vnrlann hrinnl ninn ririHn (Irlinnn riin in 
R3 Altt m 1x: 
 
7 Agostino Musi, Blatt aus der Vasenserie, 1530 
B Agostino Musi, Blatt aus der Vasenserie, 1531 
9 Agostino Musi, Blatt aus der Vasenserie, 1530 
10 Agostino Musi, Blatt 4 aus der Hermen-Serie, 1536 
 
Anmerkungen 3 - 10 
1 a XIV, 32a. 
1 a XIV, 562: OSTS 29117. 
ß Serlio,Seb.,Archiie1iura,4. Buch, s. 317, delibrdine corinthio. 
5 B XIV, 531, 528, 533; OSTS 138122. 21, 35. 
B XIV, 540; OSTS 29i10. 
B XIV, 553; OSTS 29111. 
B XIV, 5543 OSTS 25I12. 
a XIV, 542, 543, 544, 541, 551, 547, 543; osrs 123114, 1516,13, 
20, 17, . 
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9 
Auf den Blättern dieser von Antonio Salamanca 
gestochenen Serie werden antike Ornamente mit 
Angabe der Fundstelle gezeigt: eine Vase mit gro- 
ßen Akanthusbiättern (Abb. 5)' enthält die In- 
schrift: vRomae in Ecciesia S. Agnetis extra Mu- 
rosu; ein Akanthusornament: i-Fiomae in ecclesia 
S. Silvestriu (Abb. 6)!" und eine große Akanthusvo- 
lute, ebenso aus S. Silvestro stammend (Abb. 7)'. 
Bei diesen Blättern stellt sich nun die Frage, ob 
Musi tatsächlich antike Reste abgebildet hat und 
sie mit dokumentarischen lnschriften versah oder 
ob die inschriften nur daraufgesetzt sind, um die 
Glaubwürdigkeit des Blattes zu erhöhen, ein Ge- 
danke, der große Wahrscheinlichkeit für sich hat. 
Alle diese Blätter erscheinen durchaus als orna- 
mentale Vorlage; dennoch wäre es aber auch 
möglich, daß Musi sie als Illustrationen, etwa für 
ein Buch über "Antiquitäten", gearbeitet hat. Wa- 
ren schließlich in diesen Zeiten viele Künstler dar- 
um bemüht, derartige Kompendien herauszuge- 
ben, und zweifelsohne gibt es eine Menge Stiche, 
die dafür gedacht, aber nicht verwendet wurden. 
Die Frage, ob Kopie oder Neuerfindung, bleibt bei 
dieser Gruppe also offen. 
Eine wesentliche Neuerung scheint eine vierte 
Gruppe zu bringen, die in den Jahren 1530 - 31 er- 
schienen ist und wieder von Antonio Salamanca 
gestochen wurde. Sie zeigt große Vasen und tragt 
auf jedem Blatt die Inschrift: vsic Romae antiqui 
sculptores ex aere et marmore faciebantß Die 
Blätter sind alle signiert und datiert. Die Inschrift 
soll nun wohl die Garantie dafür geben, daß es 
sich bei den Stichen um aufgefundene und abge- 
bildete Altertiimer handle. Die Bezeichnung "aus 
Erz und Marmoru erscheint hingegen schon be- 
denklich. Abgebildet sind Amphoren, Deckelgefä- 
ße und Kannen (Abb. 8 -14)'". Alle diese sehr auf- 
wendigen Gefäße zeigen neben Kannelierungen 
der unteren Teile Dekorationen, deren Details sehr 
wohl aus der Antike stammen: Putten mit Girlan- 
den, tanzende Mänaden und Satyrn, Schiangenor- 
namente, Greifen- und Löwenköpfe, Masken und 
sonstige Phantasietiere. Doch die Art und Weise 
der Durchführung ist unantik; eher erwecken sie 
den Eindruck, als waren sie als Vorlagen für ma- 
nieristische Steinschneidegefäße gedacht. Wohl 
sind auf römischen Wandmalereien - etwa in den 
Fresken der Casa di Lucrezio Frcnto in Pompeji - 
Prunkvasen dargestellt, die den hier abgebildeten 
entfernt ähnlich sein könnten. Doch derartige 
Fresken waren im 16. Jh. nicht bekannt. Auch sind 
m- n..- ymao knllannonn QVIÖHIAM fäafßßn urnnnni.
	        

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